Seit über 100 Jahren setzt die Energiedienst Holding AG (EDH) auf Strom aus Wasserkraft. Sie baut derzeit eines der modernsten Laufwasserkraftwerke Europas. Die Realisierung des neuen Kraftwerks Rheinfelden wird, inklusive der Umgebungsarbeiten, 2012 abgeschlossen sein. Energiedienst nutzt damit einen der letzten möglichen Standorte für ein solches Kraftwerk in der Schweiz. Das Unternehmen investiert 380 Millionen Euro in den Neubau, wovon 12 Millionen Euro in ökologische Aufwertungsmassnahmen fliessen. Die Investition wird sich bezahlt machen, denn die installierte Leistung wird rund viermal so hoch sein wie die des alten Wasserkraftwerks.

Wasserkraft mit hohem Wirkungsgrad

Moderne Turbinen und Generatoren können den grössten Teil der Wasserkraft in elektrische Energie umwandeln. So erzielen Wasserkraftwerke einen ausgesprochen hohen Wirkungsgrad. Bei ihrem Besuch Ende August dieses Jahres lobte die deutsche Bundeskanzlerin und Physikerin Angela Merkel den Wirkungsgrad von 94 Prozent der neuen Anlage. Mit rund 100 Megawatt (MW) liegt die Leistungsfähigkeit rund viermal so hoch wie die des alten Kraftwerks von 1898. Die jährliche Stromproduktion wird von bisher 185 Millionen Kilowattstunden auf 600 Millionen Kilowattstunden mehr als verdreifacht. Damit können rund 170 000 Haushalte mit Strom beliefert werden. Um das Maximum herauszuholen, hat die EDH den Rhein auf der Unterwasserseite auf einer Länge von fast 1,8 Kilometern eingetieft, um den Abfluss zu optimieren, und auf der Oberwasserseite den Fluss um 1,4 Meter höher gestaut, damit das Gefälle auf bis zu 9 Meter erhöht wird.

Das Neubauprojekt Rheinfelden soll im September 2011 offiziell eingeweiht werden. Die EDH liegt damit im Zeitplan. Seit 2003 wird gebaut, vier Jahre später erfolgte der Spatenstich für das neue Maschinenhaus. Seit Juni dieses Jahres produziert die erste Maschinengruppe Strom, im Juli ging die zweite Maschinengruppe ans Netz und Ende Oktober folgte die dritte. Wenn alles planmässig verläuft, wird Ende dieses Jahres die letzte der vier Turbinen den Betrieb aufnehmen.

Anzeige

12 Millionen Euro für die Ökologie

Es versteht sich von selbst, dass ein solch grosses Projekt wie Rheinfelden Spuren in der Natur hinterlässt. Deshalb wurde das Vorhaben einer umfassenden Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen. Schweizer und deutsche Behörden, Naturschutzverbände, Gemeinden und Fischereiverbände prüften die Auswirkungen des Bauprojekts auf Mensch und Natur. Die EDH wird 65 ökologische Aufwertungsmassnahmen in einer Investitionshöhe von rund 12 Millionen Euro umsetzen, um die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen im Einklang mit der Natur zu ermöglichen. Eine ökologische Begleitkommission berät und überwacht die Umsetzung der einzelnen Massnahmen. Kern dieser Aufwertungsmassnahmen ist ein naturnahes Fischaufstiegs- und Laichgewässer, das auf einer Länge von rund 900 Metern im Zulaufkanal des alten Wasserkraftwerks entsteht. Das Gewässer wird als Mittelgebirgsbach modelliert. Eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt wird sich hier ab Anfang 2012 ansiedeln und ihren Lebensraum finden.