ÖKOSTROM.

Am Anfang der Holzverstromungsanlage stand der Alpnacher Ingenieur Alois Amstutz, der Holz als zu edlen Energieträger betrachtete, um damit lediglich Wärme zu produzieren. Als Forscher der ETH Zürich tüftelte er deshalb schon lange an der Technik der Holzverstromung, die in ihren Anfängen bereits im 1. Weltkrieg zum Antrieb von Lastwagen eingesetzt wurde. Nach dem Sturm «Lothar», welcher Ende 1999 grosse Mengen Altholz hinterliess, reifte in ihm dann der Entschluss zum Einsatz dieser Art von Energiegewinnung im grossen Stil.

Mit dem Stanser Ingenieur Marco Trüssel fand er einen Verbündeten, der mögliche Bauplätze für das 16-Millionen-Projekt evaluierte und mit Hilfe der Genossenkorporation Stans in Oberdorf den idealen Standort fand. Das Gelände neben der Kaserne Wil zeichnet sich nicht zuletzt durch ein grosses Netz von möglichen Wärmebezügern in nächster Nähe aus.

Wärme für mehrere Abnehmer

Zum Ökostromprojekt gehört auch eine herkömmliche Holzschnitzelheizung, welche zusammen mit der Abwärme der Holzverstromungsanlage für die Pilatus Flugzeugwerke, die Kaserne, die kantonale Verwaltung und die Überbauungen Rieden Süd und Breiten jährlich rund sieben Gigawattstunden Wärme produziert. Damit könnten nicht weniger als 490 Einfamilienhäuser beheizt werden. Mit Holzvergasern der Schweizer Firma Pyroforce werden aus Alt- und Restholz, also einem nachwachsenden und CO2-neutralen Rohstoff, zudem pro Jahr rund 10 Gigawattstunden Strom produziert. Dieser wird mit dem Label «Naturemade Star» zertifiziert und zum im Vergleich mit herkömmlichem Strom höheren Ökostromtarif in die Netze des Elektrizitätswerks Nidwalden und der Stadtzürcher Kraftwerke eingespeist. Für das einwandfreie Zusammenspiel der komplexen technischen Abläufe im Holzkraftwerk ist ein Leitsystem von Siemens zuständig.

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Wegfall von 1000 Lastwagen

Die Rentabilitätsaussichten des Projekts haben sich in den letzten Monaten, bedingt durch den massiven Preisanstieg von Erdöl und die damit verbundene höhere Nachfrage nach Ökostrom, stark verbessert. Spätestens in 16 Jahren soll die Anlage, deren maximale Wärme- und Stromleistung 5,3 bzw. 1,36 Megawatt beträgt, gemäss Budget abgeschrieben sowie verzinst sein. In der heutigen Marktsituation ist auch ein kleiner Gewinn pro Geschäftsjahr realistisch.Aus ökologischer Sicht bietet die Holzverstromung einen weiteren erheblichen Vorteil, muss doch das in Nid- und Obwalden anfallende Altholz zur Entsorgung nicht mehr nach Norditalien transportiert werden. Dadurch werden jährlich nicht weniger als 1000 Lastwagenfahrten hinfällig. Unter der Berücksichtigung der CO2-Substitution in der Stromerzeugung werden jährlich an die 7000 t CO2 eingespart. Die Holzverstromung hat als ökologische, effiziente und nachhaltige Form der Stromerzeugung deshalb durchaus Zukunftschancen.