Da staunten die Firmenchefs der Unterbaselbieter Stromversorgerin Elektra Birseck (EBM) nicht schlecht: Vergangenen November erwarb die Ökostrom-Tochter der Stromhändlerin Aare-Tessin AG für Elektrizität (Atel), die EcoPower, für 24 bis 26 Mio Fr. vier Kleinwasserkraftwerke der Papierfabrik Ziegler AG in Grellingen an der Birs. Zusätzlich dürfte die eine oder andere Million für deren Modernisierung fällig werden, damit die Produktion für 3500 Haushalte weiterhin klappt. In der Branche wurde der Preis als «überrissen» beurteilt. Bei EBM-Chef Hans Büttiker, in dessen Verteilgebiet sich die Papierfabrik befindet und der darüber hinaus bedeutender Aktionär der Atel ist, löste der Vorgang Kopfschütteln aus. Allerdings war die EBM nicht bereit, so viel wie die Atel für die Anlagen zu bieten.

Hoffnungen in Kleinwasserkraft

Ziegler ist nur ein Beispiel der Bonanza, die derzeit in der Schweiz auf der Suche nach energiewirtschaftlich verwertbaren Kleinwasserkraftwerken herrscht, die von der neuen kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) ab 2009 massiv begünstigt werden. Für den verantwortlichen Atel-Manager, Jörg Aeberhard, ist Kleinwasserkraft schlechthin «ein Hoffnungsträger» für den künftigen, regenerativen Schweizer Strommix.

Bei solchen Summen, welche die schweizerischen Gebietsversorger aufzubringen bereit sind, kann Eric Nussbaumer, Co-Geschäftsführer der ältesten unabhängigen Stromproduzentin des Landes (Adev), nur abwinken: «Wenn ein Grosser um jeden Preis eine Anlage aufkaufen will, haben wir keine Chance.»

Die Adev, früher Arbeitsgemeinschaft dezentrale Energieversorgung, ist ein Kind der Energiewende, aber auch etablierter Elektrizitätswerke, deren Exponenten sich am Anfang beteiligten. Gegründet wurde sie als Hilfe zur Selbsthilfe: Darlehensgeber ermöglichten, dass ein Windrad (im Baselbieter/Solothurner Jura) und Solaranlagen, Solarkollektoren und sogenannte Blockheizkraftwerke errichtet wurden, die Wärme und Strom gleichzeitig produzieren. In den 80er Jahren war die Adev überaus froh, wenn der ins öffentliche Netz eingespiesene Strom eins zu eins vergütet wurde, wenn sich also der Stromzähler rückwärts statt vorwärts drehte. Sie überlebte die ersten Jahre dank «ethisch» investierenden Geldgebern, denen sie seit kurzem Dividenden auszahlt. Nussbaumer: «Das war ein langer Weg.»

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Der Adev-Sonnenstrom konnte deshalb überleben, weil sich im Solarbereich in den 90er Jahren in den Schweizer Städten sogenannte Solarbörsen etablierten, die von den Stadtwerken eingerichtet wurden: Basel, Zürich und Bern waren die wichtigsten. Diese Stadtwerke schrieben ihren Solarstrombedarf öffentlich aus, um ihrerseits die Nachfrage zu bedienen.

Deutscher Markt als Rettung

Entschädigt wurden damals zwischen 80 bis 90 Rp./kWh. Ende der 90er Jahre zwang eine einbrechende Nachfrage die Baselbieter Adev, nach Alternativen zu suchen: Sie wurde in Deutschland fündig, das 1998 eine Einspeisevergütung eingeführt hatte. Zwar brachte die rot-grüne Regierung das System zur Reife, konzeptionell war es von der bürgerlichen Regierung unter Helmut Kohl vorbereitet worden. Nussbaumer: «Wenn wir überleben wollten, mussten wir einen Teil unseres verfügbaren Kapitals in regenerativen Anlagen in Deutschland investieren» – mit Erfolg.

Wind, und insbesondere Solarstrom aus Deutschland machte sich für die Adev bezahlt. Nussbaumer: «Wichtiger als die Einspeisevergütung waren die Rahmenbedingungen, die uns ein verlässliches Investitionsumfeld sicherten.»

Heute dient die Adev, deren Tochter Adev Solarstrom AG zuletzt einen Jahresgewinn von 175000 Fr. erzielte, als Beispiel und Vorläuferin für zahllose Ökostrom-Töchter, welche die Stromkonzerne wie Atel, Axpo, BKW Energie AG, CKW, Romande Energie u.a., ins Leben riefen. Deren Kapitalausstattung wurde jedoch den reich gefüllten Unternehmenskassen der grossen Mütter entnommen.

Da wird die Luft für Adev und auch für mittelgrosse Lieferanten wie die EBM bei der Jagd auf lukrative Ökostrom-Quellen wie die Kleinwasserkraft der Papierfabrik Ziegler immer dünner.