Analysen der Beratungsgesellschaft Towers Perrin zeigen, dass es für Einsteiger mit bis zu drei Jahren Berufserfahrung in der Schweiz im Vergleich mit anderen Industrienationen trotz allem relativ gut aussieht.

Wer hierzulande etwa in der krisengebeutelten Finanzbranche anfängt, verdient nicht nur mehr als seinesgleichen in den europäischen Vergleichsländern, sondern mehr als jeder andere Berufseinsteiger in der Schweiz (siehe Tabelle). Allerdings zeigen ergänzende Daten, dass gerade Banken am stärksten mit Einstellungsstopps als Antwort auf die aktuelle wirtschaftliche Lage reagieren.

Aus der Vollerhebung von Towers Perrin, bei der auch Vergütungsdaten direkt aus den Personalsystemen der teilnehmenden Betriebe bezogen und aggregiert werden, geht hervor, dass Schweizer Nachwuchsbanker 2009 eine Zielvergütung von durchschnittlich 102500 Fr. erwarten können, sofern sie ihre Ziele vollständig erfüllen und somit der Bonus in Höhe von durchschnittlich 11,0% voll zur Auszahlung kommt. Im Vorjahr lag der Vergleichswert für die Zielvergütung noch 4,5% höher.

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Allerdings wurde die Kostenbremse im Ländervergleich unterschiedlich angezogen: Die durchschnittlichen Zieleinkommen der Branche wurden in Italien (-1,8%), Frankreich (-2,0%) und Österreich (-2,5%) nur moderat nach unten angepasst. Rigoros wird in Grossbritannien (-11,2%) gekürzt. Die Deutschen (-6,0%) teilen mit der Schweiz (-4,5%) das Mittelfeld.

Pharma rauf, Ingenieure runter

Im Gegensatz dazu zeigen Pharma-Unternehmen eine erhebliche Robustheit gegenüber dem wirtschaftlichen Tief. Die Anfangsgehälter belegen dies: Im Vergleich zum Vorjahr verändern sie sich in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz nicht. Allerdings müssen Einsteiger in Grossbritannien (-8,0%) Abstriche machen. Dagegen herrscht in Italien (+7,0%) Freude über einen Anstieg, wenngleich italienische Einsteiger mit umgerechnet 50900 Fr. das Schlusslicht im europäischen Vergütungsvergleich bilden.

In der Schweiz ist der Mangel an Ingenieuren unterschiedlichster Qualifikationen und Erfahrung seit geraumer Zeit offensichtlich. Laut einer Erhebung des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien bestand 2008 eine Lücke von 3000 Ingenieuren. Angesichts dessen sind in den zurückliegenden Jahren die Anfangssaläre überproportional gestiegen, doch diese Entwicklung ist vorerst gebremst. Erstmals seit Längerem müssen Ingenieure mit einem durchschnittlich geringeren Einstiegszielgehalt auskommen. Für 2009 liegt die Schweiz mit einem durchschnittlichen Rückgang der Vergütungswerte um 3,3% im Mittelfeld des internationalen Vergleichs.

Variabler Lohnanteil rückläufig

Der Trend hoher Basisgehälter in der Schweiz bestätigte sich, aber nicht derjenige der ansteigenden variablen Lohnanteile in den an der Erhebung teilnehmenden Ländern. Während noch vor Jahresfrist die Bedeutung des kurzfristigen leistungs- bzw. erfolgsabhängigen Vergütungselements wuchs, sind diesbezüglich zum Teil gegenläufige Entwicklungen zu verzeichnen. So ist in der Schweiz der Bonusanteil gesunken, wenn auch nur in geringem Ausmass. Dies gilt für alle Branchen - mit Ausnahme der Pharma-Industrie, wo es insgesamt keine Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gibt.

Inwieweit es sich um eine temporäre Erscheinung, die sich auf die Zeit der Rezession beschränkt, oder um einen generellen Trendstopp handelt, muss sich erst noch zeigen. Allerdings ist eines klar: Die Unternehmen werden die individuelle Leistung ihrer Mitarbeiter auch künftig in zunehmendem Masse im Blick haben. Ob und wie sich dann Erfolg und Misserfolg in den Vergütungen niederschlagen, hängt von den Vergütungsstrategien und -systemen ab.

Die Nachfrage an neuen Kräften wird durch die angespannte Wirtschaftssituation zweifellos gebremst. Neueinstellungen erfolgen derzeit eher selektiv. Hier bewahrheitet sich, dass es immer einen Markt für gute Leute gibt - umso mehr, als sich durch den Abschwung das grundsätzliche demografische Problem unserer Gesellschaft nicht in Luft auflöst. Den Unternehmen ist durchaus bewusst, dass sie mit einer zu rigiden Einstellungs- und Personalpolitik Gefahr laufen, in der Aufschwungsphase Mitarbeiter mit wichtigen Schlüsselqualifikationen und -erfahrungen nicht einmal mehr teuer hinzukaufen zu können.