Das Gewitter, das mit der Finanzkrise in den USA seinen Anfang genommen hat, erreicht nun auch den Rest der Welt. Die Wirtschaftsleistung von Japan, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, fiel im 2. Quartal 2008 annualisiert um 2,4%. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Eurozone ist im letzten Quartal so gemessen um 0,8% eingebrochen. Die USA, das Ursprungsland der Krise, konnten dagegen noch einmal um 2% zulegen. Auch der Welthandel zeigt Krisensymptome: Der sogenannte Baltic Dry Index – ein Massstab für die Nachfrage nach Gütertransporten auf den Meeren – ist seit Mitte Mai um 37% gefallen.

Die Zahlen für die Schweiz werden erst am 2. September veröffentlicht. Die Gewitterwolken sind aber auch hier sichtbar: Das Konsumentenvertrauen ist so stark eingebrochen wie zuletzt im Sommer des Krisenjahres 2002.

Besonders problematisch ist die Lage für die international tätigen Schweizer Unternehmen. Vor allem der drastische Wachstumseinbruch in Deutschland war auf den ersten Blick schockierend: Das BIP des weitaus wichtigsten Abnehmerlandes von Schweizer Produkten ist im vergangengen Quartal annualisiert um 2% eingebrochen. Der Rückgang ist nicht so dramatisch, bezieht man die aussergewöhnlich gute Wirtschaftslage im 1. Quartal ein: Das schöne Wetter hat damals der Bautätigkeit und damit dem BIP einen Wachstumsschub von 5,3% verliehen.

Die ganze Welt schwächelt

Dennoch stehen auch in Deutschland die Zeichen auf Sturm: Der Bestelleingang nach Investitionsgütern aus Deutschland ist im Juni bereits um 5% zurückgegangen. Der IFO-Index zur Messung des deutschen Geschäftsklimas ist im Juli bereits wiederholt drastisch gesunken.

Das BIP von Italien und Frankreich ist im 2. Quartal ebenfalls geschrumpft und schon zuvor kaum gewachsen. Die beiden Länder werden wie auch Spanien, Irland und Grossbritannien mit grosser Wahrscheinlichkeit die geläufige Bedingung für eine Rezession erfüllen, nach der das BIP in zwei Quartalen hintereinander fallen muss.

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Das gute Abschneiden der USA im Vergleich zu Europa kann Schweizer Exporteure nur bedingt beruhigen. Einerseits lag dies an stimulierenden Massnahmen der US-Regierung, die nun auslaufen, sowie am schwachen Dollar, der den Exporten Schub verliehen hat. Lässt man sie unberücksichtigt, würde auch die US-Wirtschaft schrumpfen.

Mit der deutlichen Aufwertung der US-Währung nimmt dieser Effekt nun ab. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die US-Wirtschaft im 1. Halbjahr 2009 ihren Tiefpunkt erreichen wird und erst danach wieder stärker wächst. Eine Rezession nach geläufiger Definition wird sich dabei wohl vermeiden lassen. Dennoch wähnen sich gemäss einer Umfrage der Universität Michigan bereits jetzt neun von zehn Amerikanern in einer Rezession.Die Hoffnung für die Weltwirtschaft ruhen jetzt auf den aufstrebenden Volkswirtschaften. Eine Abschwächung wird sich dort vor allem im nächsten Jahr zeigen, aber im Vergleich zu den USA und erst recht Europa und Japan relativ harmlos bleiben. Für China erwarten die Forscher der Economist Intelligence Unit eine Abschwächung auf 9% (von 9,8), für Brasilien 3,4% (4,6), für Russland 6,8% (7,5) und für Indien 7,1% ( 7,7).Das weltweite Konjunkturgewitter weckt dank abnehmender Nachfrage immerhin die Hoffnung auf geringere Rohstoff- und insbesondere Ölpreise und damit auf sinkende Inflationsraten.

Immerhin sind die Rohstoffpreise schon drastisch gefallen. Rohöl der Sorte West Texas Intermediate kostete Anfang Juli noch 145 Dollar das Fass, jetzt sind es weniger als 113 Dollar. Das entspricht einem Rückgang um ganze 22%.

Steigen allerdings die Erdölpreise wieder deutlich an, könnte es zu einer Stagflation in weiten Teilen der Welt kommen: Inflation gekoppelt mit einer einbrechenden Wirtschaft. Angesichts der geopolitischen Unsicherheiten, der eben erst begonnenen Wirbelsturmsaison in den USA und der anhaltend hohen Nachfrage nach Öl in den aufstrebenden Volkswirtschaften ist das nicht auszuschliessen.

Momentan dominiert die Überzeugung, dass der Preisauftrieb in der Alten Welt bald schon gebändigt sein wird und die Zentralbanken Europas spätestens im nächsten Jahr die Zinsen senken werden. Für die USA wird eher eine Erhöhung erwartet.

Darin liegt der wichtigste Grund für das Wiedererstarken des Dollar: Dollaranlagen werden im Vergleich zu jenen in Euro oder Franken interessanter. Ein nachhaltig stärkerer Dollar wäre Balsam für die Schweizer Unternehmen, die im Dollarraum ihr Geschäft betreiben. In Schweizer Franken mussten sie bereits herbe Währungsverluste verbuchen.

Franken als sicherer Hafen

Doch die Inflationsrate im Euroraum liegt bei 4%, in der Schweiz bei 3,1%. Wenn in den jetzt beginnenden Lohnverhandlungen die Gewerkschaften ihre Lohnforderungen durchsetzen und die Unternehmen ihre Kosten über die Preise abwälzen, wird es nichts mit baldigen Leitzinssenkungen.

Der Franken gilt zudem noch immer als sicherer Hafen: Auch wegen der globalen Unsicherheiten könnte er wieder teurer werden. Dann gibt es auch von der Währungsseite her keine Wetterbesserung für die Unternehmen.