Die US-Immobilienkrise wird sich voraussichtlich verschärfen. Nach neuen Studien wachsen die Risiken bei Hypothekenkrediten in den nächsten Monaten rasant. «Erst im 1. Halbjahr 2008 dürften die Kreditausfälle den Höhepunkt erreichen», sagt dazu der Commerzbank-Volkswirt Patrick Franke. Und die renommierte Ratingagentur Moodys doppelt nach: Weltweit könnten weitere Banken in Schieflage geraten.


Kreditausfälle in Billionenhöhe

Weitere Anhaltspunkte liefern Daten amerikanischer Kreditanalysehäuser, die das Magazin «Fortune» jetzt veröffentlicht hat: Demnach werden 2008 Kredite über 850 Mrd Dollar (1 Billion Fr.) akut gefährdet sein, weil bei ihnen die übliche Niedrigzinsphase zu Anfang der Laufzeit ausläuft. In diesem Jahr betrug dieser Wert bislang nur 236 Mrd Dollar. Weil viele Haus- und Wohnungskäufer die danach anfallenden Zinsraten nicht aufbringen können, platzen zahlreiche Darlehen. Eine Reihe von Banken und Fondsfirmen, die in die verbrieften Kredite investiert hatten, sind deshalb in Schieflage geraten.


Weitere Spritzen fürs System

In Finanzkreisen wird derweilen eine interne Studie der Bank of America herumgeboten, die ähnlich erschreckende Zahlen nennt. Die Kredite waren typischerweise 2005 zunächst mit einem Zins von 4% gestartet. Im nächsten Jahr erhöht sich die Rate auf bis zu 8%. Dadurch werde die Ausfallrate deutlich ansteigen, so die Vermutung der Finanzexperten.

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Moody’s-Chefökonom Pierre Cailleteau erwartet zwar keine Finanzkrise: «Das internationale Bankensystem wird aber in den kommenden Monaten weitere Unterstützung durch Liquiditätsspritzen der Zentralbanken benötigen.» In den vergangenen Wochen hatten die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank den Geschäftsbanken bereits mit Kurzfristkrediten von umgerechnet mehr als 438 Mrd Fr. unter die Arme gegriffen. Das hat die Märkte kurzfristig beruhigt. Doch bis Mitte 2008 ist es noch ein weiter Weg.