ORACLE.

Vom nächsten grossen Erdbeben in der IT-Brache kennt man bereits jetzt den Ausgangspunkt: Es werden die Wall-Street-Banken wie Merrill Lynch, Morgan Stanley oder die Citigroup sein, die besonders stark von der Subprime-Krise betroffen sind und dadurch am schnellsten auf Verluste reagieren können, indem IT-Projekte gestoppt oder verschoben werden.

IBM berichtete bereits beim letzten Quartalsabschluss von schwächeren Hardwareverkäufen an die Finanzdienstleister, Cisco meldete zwar ein Glanzresultat, zog aber mit einem sehr verhaltenen Ausblick die ganze Nasdaq in die Tiefe und die Aktien indischer IT-Konzerne wie Infosys und Saytam mit.Wie kaum ein anderes Unternehmen ist Oracle als Seismograph geeignet, um erste Vorbeben einer Abschwächung im Softwaregeschäft zu registrieren – sehr viele Börsentransaktionen laufen über die Datenbanken von Oracle. «Nein, wir spüren bis jetzt keine Abschwächung bei den Finanzdienstleistern», sagte Oracle-Emea-Chef Sergio Giacoletto vor wenigen Tagen in San Francisco. Auch Finanzchefin Safra Katz sieht keine unerwarteten Entwicklungen, Oracle halte an dem im September formulierten ambitiösen Quartalsziel fest. Die Subprime-Problematik sei im September schon bekannt gewesen, aber die geografische Diversifizierung sowie die Branchenlösungen machen es laut Katz möglich, dass Oracle IT-Budgetkürzungen der Banken besser abfedern könne als andere IT-Konzerne.

Mögliche Epizentren beobachten

Analysten bezeichneten Oracle aufgrund der breiten Produktepalette und der Kombination von Applikations- und Infrastruktursoftware indes als «Ausnahmeerscheinung» – andere Firmen dürften ungleich stärker unter möglichen Budgetkürzungen bei Finanzdienstleistern leiden.Daran ist auch die Entwicklungsabteilung von Oracle beteiligt. Sie kündigte eine eigene Open-Source-Server-Virtualisierungssoftware an, die die Auslastung der Windows-Server verbessert, sowie die Zusammenführung der teilweise akquirierten Softwarelinien mit «Fusion»-Applikationen. Vor allem die Virtualisierungstechnologie dürfte das Wachstum bei Servern bremsen. Bei Hardware können, so das Kalkül von Oracle, die Kunden dann das Geld sparen – und weiter in Datenbanken und Applikationen investieren. Die nächsten möglichen Epizentren, die jetzt beobachtet werden müssen, sind deshalb die Serverumsätze von HP, Dell, Sun Microsystems und IBM bei den kommenden Abschlüssen.

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