Er wolle Sulzer zu einem langweiligen Unternehmen machen, sagte Ulf Berg einmal. Das war 2004. Damals übernahm er den CEO-Posten von seinem Vorgänger Fred Kindle. Berg wollte das Unternehmen, gebeutelt von René Braginskys Übernahmeattacken und der Sulzer-Medica-Affäre, in ruhigere Gewässer steuern. Das ist ihm gelungen. Bis 2007. In dem Jahr, in dem Berg vom CEO zum VR-Präsidenten des Winterthurer Öl- und Petrochemiezulieferers aufstieg, wurde Sulzer erneut attackiert. Berg wehrte sich lange, durchwachte zahlreiche Nächte, warb gar um Unterstützung in Bern. Doch letztlich gewann der Angreifer. Heute besitzt der russische Industrielle Viktor Vekselberg über seine Beteiligungsfirmen Everest und Salve 24,5% in Aktien und 5,5% in Call-Optionen am Winterthurer Traditionskonzern. Zudem vertreten zwei der insgesamt acht VR Vekselbergs Interessen.

Auf wackligen Füssen

Und es ist noch längst nicht vorbei. Berg versuchte, Vekselberg via Vertrag die Übernahme des Konzerns zu verbieten. Doch das Abkommen steht auf wackligen Füssen – Aktienrechtler wie Peter V. Kunz zweifeln öffentlich an der Rechtmässigkeit des Vertrags.

Den Vogel abgeschossen hatte kurz vor Jahresende die Übernahmekommission (UEK). Sie verdonnerte Sulzer und Vekselbergs Beteiligungsfirmen zu einem Pflichtangebot an die Sulzer-Aktionäre. Grund: Sulzer und Vekselbergs Firmen bilden wegen des Vertrags eine Gruppe, zusammen haben sie die Schwelle von 33,33% zeitweise überschritten, was zu einem Pflichtangebot führt.

Sulzer und Vekselberg haben mittlerweile Widerspruch eingelegt und sind an die Eidgenössische Bankenkommission gelangt. «Doch diese wird die Empfehlung der UEK wohl stützen», sagt Aktienrechtler Kunz. Zudem liess Vekselberg laut «SonntagsZeitung» durchblicken, dass er ein Pflichtangebot an die Sulzer-Aktionäre vorlegen werde, wenn er gesetzlich dazu verpflichtet werde. Und danach sieht es derzeit aus. Dieses Jahr wird sich Berg unter anderem mit der Frage beschäftigen, wie er das Abkommen mit Vekselberg auflösen kann, ohne die Unabhängigkeit Sulzers zu gefährden und ohne das Gesicht zu verlieren – schliesslich hatte er mit aller Härte auf das Abkommen insistiert.

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Auf operativer Ebene muss sich Berg deutlich weniger Sorgen machen. Das Geschäft mit der Öl und Gas verarbeitenden Industrie läuft wie geschmiert. Für das Gesamtjahr 2007 stellt Sulzer einen deutlich höheren Bestellungseingang in Aussicht – im 1. Halbjahr lag er bei 2,1 Mrd Fr. Zumindest das 1. Semester 2008 dürfte also bereits in trockenen Tüchern sein. Auch für das Gesamtjahr 2008 ist das Unternehmen optimistisch.

Zudem wird Sulzer endlich Mixpac, Werfo und Mold übernehmen. Das deutsche Bundeskartellamt will die Transaktionen, die Sulzer bereits im August 2006 angemeldet hatte, nicht länger blockieren.