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Südkoreas Politskandal streift Schweizer Firma

Pyeong Chang House: Werbung für Olympischen Spiele 2018.  Rep. of Korea/CC/Flickr

Südkorea erschüttert ein Politskandal, der bis zur Präsidentin des Landes reicht. Nun taucht im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2018 auch der Name einer bekannten Schweizer Firma auf.

Von Julia Fritsche
am 20.01.2017

«Passion. Connected» (Leidenschaft. Verbunden.) - so lautet das Motto der kommenden Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeonchang. Der Megaanlass hat für den Schweizer Veranstaltungs- und Ausstellungsbauer Nüssli schon jetzt einen negativen Beigeschmack. Ein verpasster Auftrag im Zusammenhang mit den Spielen verbindet sie mit dem grössten Politskandal Südkoreas, der das Land seit Monaten bewegt und die Südkoreaner in Massen auf die Strassen treibt.

Südkoreanische Medien berichten, dass der Schlüsselperson im Politskandal Choi Soon Sil – einer Freundin der Präsidentin Geun-hye Park - vorgeworfen wird, sich beim Bau von olympischen Bauten bereichert zu haben. Einen Versuch dazu soll sie auch via die Schweizer Firma Nüssli unternommen haben.

Millionendeals mit präsidialer Hilfe

Laut einem Bericht der «Korea Times» hat sich die Geschichte wie folgt zugetragen: Nüssli habe im März 2016 einen Geschäftspartner-Vertrag mit der Firma «The Blue K» unterzeichnet. Diese Briefkastenfirma mit einem Ableger im deutschen Schmitten («The Blue K GmbH») hatte Choi erst zwei Monate zuvor gegründet. Bei der Unterzeichnung an vorderster Front seien ein Mitarbeiter von Park und der Vize-Kulturminister des Landes dabei gewesen. Der Vertrag gestehe Chois Firma die exklusive Lizenz zur Vertretung der Geschäftsinteressen von Nüssli in Korea zu.

Ziel der ganzen Aktion sei es gewesen, einen Grossauftrag zur Errichtung von Tribünen und anderen Anlagen an den Olympischen Spielen 2018 zu ergattern. Der Millionen-Auftrag kam aber nicht zustande, die betreffenden Anlagen baut nun ein lokales Unternehmen. Die Anweisung, Nüssli um Hilfe anzufragen, kam gemäss der Quelle der Zeitung - einem unabhängigen Beraterteam - von oberster Stelle: Parks früherer Mitarbeiter beschuldige die Präsidentin selbst.

Nüssli dementiert

Alles unwahr, sagt Nüssli gegenüber handelszeitung.ch. Zum Vorwurf mit der Scheinfirma The Blue K Geschäfte zu machen, meint die Presseabteilung: «Diese angedachte Geschäftsbeziehung hat zu keinerlei Aktivitäten geführt. Nüssli ist keinerlei Geschäftsverträge mit The Blue K eingegangen.» Und: «Es besteht bis heute keine Geschäftsbeziehung, weder zwischen The Blue K und Nüssli, noch zwischen dem Olympischen Komitee Pyeongchang und Nüssli.»

Weiter hält die Nüssli Gruppe fest: «Nüssli distanziert sich von jeglichen Vorwürfen bezüglich illegaler Geschäftspraktiken.»

Korrekt sei hingegen, dass die Schweizer von The Blue K angefragt wurden. Diese hatte die Absicht, Nüssli die Ausschreibungsunterlagen für Olympische Eventbauten zukommen zu lassen, da Nüssli keine eigene Präsenz in Südkorea hat.

In Sotschi noch gut vertreten

Fakt bleibt, in rund 380 Tagen beginnen die Spiele in Südkorea und Nüssli hat keinen Auftrag dazu. In Sotschi vor drei Jahren war Nüssli noch mit sechs Pavillons vertreten. So bauten sie neben dem House of Switzerland auch den Sponsorenpavillon für den sükoreanischen Grosskonzern Samsung - der ebenfalls in den Politskandal verstrickt ist - und das Haus für die Veranstalter von Pyeongchang 2018. Vor wenigen Jahren scheinen die Beziehungen nach Südkorea noch überaus profitabel gewesen zu sein.

Wo Grossanlässe sind, ist auch die Firma Nüssli nicht weit: Von der Tribüne bei der Einweihung des neuen Panamakanals bis zur Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz kommenden Februar sitzen Zuschauer auf Nüssli-Bauten. Vermutlich aber nicht in Südkorea, denn auch Präsenz Schweiz setzt für Pyeonchang nicht auf Nüssli. Ihre Plattform mietet sie von der österreichischen Firma Loidl, die ebenfalls auf temporäre Bauten spezialisiert ist.

Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin

Seit Monaten wirft der Korruptionsskandal in Südkorea Wellen. Der Präsidentin Park werden Amtsmissbrauch und Verstösse gegen die Verfassung vorgeworfen. Seit Dezember ist sie deshalb von ihrem Amt suspendiert. Ein Verfahren zur Amtsenthebung läuft. Im Zentrum der Affäre steht eine Freundin von Park, Choi Soon Sil.

Obwohl diese keine offizielle Position als Beraterin oder Mitglied der Regierung hat, soll sie sich in Regierungsgeschäfte eingemischt haben. Zudem soll sie Konzerne zu Spenden an Stiftungen gedrängt haben. Gemäss Staatsanwaltschaft sind davon 53 Konzerne betroffen.

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