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Technologie
Südostbahn bringt E-Ticket vor der SBB

SOB-Komposition: Hauptsitz in St. Gallen. Keystone

Die Südostbahn lanciert das kontaktlose Ticket. Mitte des nächsten Jahres soll die ganze Fahrzeugflotte umgerüstet sein. Grundlage ist eine neue App, die in wenigen Tagen erhältlich ist.

Von Marc Iseli
am 07.12.2016

Die Schweizerische Südostbahn (SOB) fährt dem Branchenprimus SBB davon: Mitte des nächsten Jahres werden sämtliche SOB-Züge mit der Technologie für ein kontaktloses Ticket ausgestattet sein, wie SOB-Chef Thomas Küchler der «Handelszeitung» sagt. Reisende werden dann über eine App auf dem Smartphone automatisch beim Ein- und Aussteigen erfasst. Das System verrechnet anschliessend den günstigsten Tarif für die Strecke.

Erste Tests mit einem derartigen «be in, be out»-System – kurz Bibo – führte die SOB vor zwei Jahren durch. Nun folgt der Launch auf breiter Basis. Gemäss Bahnchef Küchler gilt schon bald: «Wo SOB draufsteht, ist Bibo drin.»

Neue App

Bei der Entwicklung arbeiteten die Ostschweizer mit dem Münchner Industrieunternehmen Siemens zusammen. Die Deutschen haben einen Teil der Vorinvestitionen berappt. In der Aufbauphase übernehmen sie den noch nicht kostendeckenden Betrieb. Ab Betriebsbeginn bezahlt die SOB einen Beitrag, der sich aus der Anzahl der verkauften Leistungen errechnet.

Grundlage für die automatische Erfassung ist die App Abilio. Gemäss SOB-Chef Küchler soll eine Pilotversion am 12. Dezember an den Start gehen. Sie soll für iOS- und Android-Geräte erhältlich sein. Die Marke liess er bereits im September beim Institut für Geistiges Eigentum eintragen. Küchler verzichtete bewusst auf einen Bezug zur SOB oder zu Siemens, denn er gilt in der Branche als Unruhestifter. Seine Pläne für ein neues Ticketing-System, die Kritik am Führungsstil von SBB-Chef Andreas Meyer und seine Expansionslust am Gotthard haben zu einem gespannten Verhältnis mit der «grossen Schwester» SBB geführt.

Zoff am Berg

Was die Pläne für die alte Gotthard-Bergstrecke angeht, zeigt sich Küchler zuversichtlich. «Die Wahrscheinlichkeit, dass wir am Gotthard zum Zug kommen, liegt aktuell bei über 50 Prozent.»

Die Konzession für den Betrieb der alten Gotthard-Bergstrecke läuft Ende 2017 aus. Inhaberin ist die SBB, vergeben wird sie vom Bundesamt für Verkehr (BAV). Die SOB will die Gotthard-Bergstrecke in Zukunft eigenwirtschaftlich betreiben. Sollte sie die 60 Mal grössere Rivalin in den Tunnel verbannen, haben die Ostschweizer das seit 12 Jahren herrschende Monopol im Fernverkehr aufgebrochen.

Dreijährige Übergangsfrist

Gegenwärtig steht Offerte gegen Offerte. Das BAV hat einen runden Tisch zur Mediation einberufen. Die Diskussion dreht sich darum, ob der ordentliche konzessionsrechtliche Weg beschritten werden muss oder ob sich SOB und SBB auf eine «einvernehmliche Lösung» einigen können, sagt Küchler. Das heisst: Es geht darum, ob die SBB freiwillig auf die Bergstrecke verzichtet.

«Die Übergabefristen sind Gegenstand der Diskussion», sagt Küchler. «Die SOB benötigt für den Aufbau des Angebots mindestens drei Jahre, da wir entsprechend Rollmaterial beschaffen und zusätzliches Personal rekrutieren müssen», so der Bahn-Chef.

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