Das Erfolgsgeheimnis des Onlinehandels von Digitec ist die Schnelligkeit. Wer ein Heimelektronik-Gerät heute bestellt, hat es morgen in der Post. Aber das Rezept hat Lücken: Bestellt jemand zum Beispiel ein Handy mitsamt einem Abo, muss Digitec vor der Auslieferung die Identität des Kunden prüfen und auf einen unterschriebenen Vertrag warten. «Dieser Ablauf kann mehrere Tage dauern. Aber der Kunde von heute will ein Gerät sofort», sagt Marcel Dobler, Mitinhaber und Co-CEO von Digitec.

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Dieses Problem ist nun gelöst -dank dem ersten, standardisierten, elektronischen Identitätsausweis Suisse ID. Physisch besteht die ID fürs Internet aus einem USB-Stick oder aus einer Chipkarte (siehe Kasten).

Sparpotenzial in Milliardenhöhe

Die neue Suisse ID wurde diese Woche vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) offiziell lanciert. Das Seco unterstützt die Einführung je nach Nachfrage mit insgesamt 21 Mio Fr. Mit der Suisse ID kann man künftig rechtsgültig mit Behörden und Firmen geschäften. Seco-Direktor Jean-Daniel Gerber rechnet mit mehreren 100 Mio Fr. an volkswirtschaftlichem Nutzen, falls 10000 Firmen und Institutionen mitmachen. «Je mehr Anbieter auf die Suisse ID setzen, desto grösser ist der Nutzen für Endkunden und die ganze Volkswirtschaft», sagt Gerber.

Interessant ist die Suisse ID nicht nur für Kunden, die Wert aufs Tempo legen. Auch Unternehmen wie Digitec rechnen sich Vorteile aus. CEO Dobler geht kurzfristig von mehreren Prozenten an zusätzlichem Wachstum aus. Die junge Firma legt seit der Gründung 2001 Jahr für Jahr zweistellig zu. Mehr will Dobler nicht verraten, «aus strategischen Gründen». Er fürchtet den Druck der Branchenriesen Media Markt und Co.

Rabatt für Kunden mit Suisse ID

Um den Kunden den Einsatz der Suisse ID schmackhaft zu machen, überlegen sich Dobler und die beiden andern Teilhaber kleine Willkommensgeschenke. «Denkbar sind bei Neuanmeldungen mit der Suisse ID Einführungsaktionen bei gewissen Produkten.» Eine allgemeine Preissenkung, von der nach dem Giesskannenprinzip alle 400000 derzeit registrierten Kunden profitieren würden, komme indes nicht in Frage.

Umgekehrt kostet Digitec die Installation der neuen Software auf dem Firmen-Server praktisch nichts. Erstens hat das Unternehmen hauseigene IT-Fachleute, und zweitens ist Digitec eines von 40 Unternehmen, die sich beim Seco beworben haben und ausgewählt wurden, eine Startpauschale von 10000 Fr. zu erhalten. Die Bedingung: Ab September muss das System laufen. «Der grösste Aufwand für uns wird sein, den Kunden alles zu erklären», sagt Dobler.

Suisse ID wird sich im Onlinehandel aber auch längerfristig bezahlt machen. «Wo immer die Unterzeichnung eines Vertrags nötig ist, werden sich die Abläufe für uns und für den Kunden vereinfachen», sagt Dobler. Dabei denkt er unter anderem an die Verlängerung eines Handy-Abos oder an Verkäufe mit Ratenzahlungen.

Verlagerung zu Onlinehandel

Der Trend, Heimelektronik online zu bestellen, ist unverkennbar: In den letzten drei Jahren hat sich der im Internet bestellte Anteil von 8,1 auf 15,3% praktisch verdoppelt, wie eine Studie von GfK Switzerland zeigt. Dieser Trend wird sich nun beschleunigen. «Vor allem bei den Mobiltelefonen wird sich die Verlagerung von den Läden in die Onlineshops verstärken», ist Dobler überzeugt.

Vereinfachungen bringt die Suisse ID auch im Handel mit Computerspielen - für Digitec ein wichtiger Bereich. «Die immer öfter diskutierte Alterskontrolle beim Verkauf von Gewaltspielen ist mit der Suisse ID erstmals elektronisch möglich.» Bisher mussten Jugendliche zum Beweis ihres Alters die Kopie der Identitätskarte oder des Passes einschicken.

Die Liste der Vorteile für eine Firma wie Digitec ist lang. So geht Dobler von einem kleineren manuellen Arbeitsaufwand aus, weil Name und E-Mail-Adresse eines Kunden auf der Suisse ID registriert sind und direkt ins System eingelesen werden. «Die Tippfehler bei den Online-Anmeldungen kosten uns heute viel Zeit.»

Offen ist, wie rasch sich Herr und Frau Schweizer mit der neuen ID fürs Internet ausrüsten. Erhältlich ist der USB-Stick oder die Chipkarte ab 33 Fr. pro Jahr online bei der Firma Quovadis und der Posttochter Swiss Sign.