Nach drei wechselvollen Jahren beim Industriekonzern Sulzer verlässt CEO Klaus Stahlmann das Schiff. Darüber informierte das Unternehmen am Montagnachmittag. Stahlmann habe den Verwaltungsrat über seinen Rücktritt informiert, hiess von Sulzer zu ungewohnter Zeit. Normalerweise kommunizieren börsenkotierte Unternehmen bedeutende Wechsel im Management am frühen Morgen, bevor der Börsenhandel eröffnet wird.

Stahlmann war bei dem Industriekonzern drei Jahre lang am Drücker. Die Firma führte in dieser Zeit mehrere Sparmassnahmen und Verkäufe durch. Erst am Morgen meldete die Firma, dass sie weitere 410 Stellen im Ausland abbauen wird. Sulzer schwächelt seit Langem, im ersten Halbjahr 2015 schrumpfte der Gewinn um die Hälfte.

Farbige Vergangenheit

Dabei waren bereits schmerzhafte Umbauten angegangen worden: Unter Stahlmann wurden beim faktisch vom russischen Industriellen Viktor Vekselberg kontollierten Konzern das Servicegeschäft der Pumpensparte mit jenem für Turbinen zusammengelegt, die Oberflächenbeschichtungssparte Metco verkauft und diverse Restrukturierungen durchgeführt.

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Stahlmann leitete Sulzer seit Februar 2012. Seine Laufbahn begann beim japanischen NSK-Konzern und führte ihn zum Pumpenhersteller Allweiler und zum Industriekonzern Krupp. Karriere machte er beim deutschen MAN-Konzern: Er war Chef von MAN Diesel und Turbo und sass 2010/2011 in der Konzernleitung. Mit weiteren Führungskräften geriet er bei MAN 2011 in einen Korruptionsskandal und trat daraufhin von allen Ämtern zurück. Gegen Zahlung von 275'000 Euro wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Freude an der Börse

Die überraschende Ankündigung während des laufenden Börsenhandels bewegt auch die Sulzer-Aktie, die nach einem schwachen Handelsverlauf ins Plus drehte, kurzweilig sogar auf fast 109 Franken zulegte und damit um fast vier Prozent kletterte. Aktuell liegen die Titel wieder quasi unverändert bei 105 Franken.

 
(chb/me)