Schon bald ein Vierteljahr lang sitzt die austro-russische Investmentfirma Everest auf ihrem Sulzer-Aktienpaket in der Höhe von 17,51%. Und hat die Eintragung ins Aktionärsbuch des Winterthurer Industriezulieferers noch immer nicht durchgesetzt. Trotz der Unwegsamkeiten hat Everest ihre Beteiligung bis dato weder erhöht noch abgebaut. Das bestätigt Markus Blume, Sprecher der russischen Beteiligungsfirma Renova, die dem Industriellen Viktor Vekselberg gehört. Sie hält 50% an Everest und führt deren Geschäfte. «Everest hält nach wie vor 17,51% in Aktien und 14,4% in Call-Optionen an Sulzer», sagt Blume der «Handelszeitung». Die nächsthöhere meldepflichtige Beteiligungsschwelle liegt bei 33,33%, die nächsttiefere bei 20% – Aktien und Optionen müssen seit 1. Juli zur Ermittlung des Schwellenwerts addiert werden. Beide Werte wurden bisher nicht über- beziehungsweise unterschritten.

Vekselberg bestimmt über Klage

Bei Ronny Pecik, Chef der Wiener Investmentgesellschaft Victory, die wiederum 50% an Sulzer-Aktionärin Everest hält, nähert sich die Geduld langsam dem Ende. Schliesslich ist das Everest-Paket, gemessen am gegenwärtigen Börsenwert von Sulzer, gut 1 Mrd Fr. wert. Für Pecik kommt, das bestätigt Victory-Sprecher Stephan Oehen, eine Klage gegen Sulzer absolut in Frage. «Allerdings ist es an der Everest-Geschäftsführung, über das weitere Vorgehen zu entscheiden», betont Oehen.

Noch laufen die Gespräche

Die Everest-Führung hingegen setzt nach wie vor auf Kooperation. «Wir führen Gespräche mit Winterthur», bestätigt Markus Blume. Man prüfe jedoch alle Optionen. «Noch sehen wir aber die Möglichkeit zur Diskussion mit Sulzer», so Blume.
Sulzer fordert von Everest zusätzliche Informationen für die Eintragung des Aktienpakets. So benötigt das Unternehmen Angaben zu den am Everest-Aktienpaket wirtschaftlich Berechtigten. Zudem wird eine Bestätigung gewünscht, dass Everest das Aktienpaket tatsächlich besitzt und nicht nur von Dritten, etwa einem Finanzinstitut, geliehen hat. Schliesslich hat Sulzer Everest auf kartellrechtliche Fragen aufmerksam gemacht – die Beschichtungssparte Sulzer Metco überschneidet sich teilweise mit den Märkten der Beschichtungsdivision von OC Oerlikon, vor allem in Deutschland. Das könnte das deutsche Bundeskartellamt auf den Plan rufen. Die Everest-Besitzer Renova und Victory halten namhafte Beteiligungen an Oerlikon.

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Gerüchte um Ulf Berg

Mittlerweile machen Gerüchte die Runde, Sulzer-Präsident Ulf Berg versuche im Alleingang, die Eintragung des Everest-Pakets innerhalb des VR zu verhindern. «Das kann ich nicht bestätigen», sagt Sulzer-Sprecherin Gabriele Weiher. «Der VR ist sich zum Vorgehen in Sachen Everest einig.»