Wenn Sulzer-Chef Klaus Stahlmann am 12. Februar den Analysten das durchzogene Geschäftsjahr 2014 erklärt, bleibt ihm zumindest eines erspart: Er muss sich nicht rechtfertigen für die Fusion mit der US-Firma Dresser-Rand. Die kam nicht zustande.

Es war der deutsche Siemens-Konzern und ihr Chef Joe Kaeser, die Stahlmann den amerikanischen Kompressorhersteller vor der Nase wegschnappten. Der Kaufpreis – 7,6 Milliarden Dollar in Cash – galt bereits bei Unterzeichnung des Kaufvertrags Ende September 2014 als zu hoch.

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Viel zu teuer

Heute, nach der Halbierung des Ölpreises, ist der Preis für die Ölservicefirma komplett überrissen. Genüsslich rechnet das «Wall Street Journal» vor, Siemens bezahle ungefähr das 31-Fache des letztjährigen Gewinns von Dresser-Rand, andere Akquisitionen im Ölgeschäft gehen erfahrungsgemäss für das 15- bis 20-Fache über den Tisch.

So schnell wird sich die Relation nicht verschieben. Die globale Ölnachfrage bleibt tief, zudem hat der Schieferölabbau in den USA einiges an seinem Reiz verloren. Wenn Ölförderkonzerne weniger investieren, verlieren Ausrüster wie Dresser-Rand oder Schlumberger an Umsatz und Wert.

Siemens hätte es wissen müssen

Davon betroffen ist der künftige Dresser-Rand-Eigner Siemens. An dessen Hauptversammlung von Ende Januar stand Joe Kaeser im Kugelhagel frustrierter Investoren. «Sie haben mit der Akquisition von Dresser-Rand viel Kredit verspielt», donnerte Henning Gebhardt von der mächtigen Fondsgesellschaft DWS.

Selbst wenn es für eine Beurteilung heute noch zu früh sei, meinte er weiter, «erscheint der Einstieg in Öl und Gas erst einmal misslungen». Als ehemaliger Finanzchef hätten es Kaeser besser wissen müssen, kritisierte Ingo Speich von Union Invest, einem weiteren Siemens-Aktionär.

Im prestigeträchtigen Bieterkampf bot Kaeser anfänglich 66 Dollar je Aktie, schliesslich erhöhte er auf 73 Dollar, im September legte er auf 83 Dollar je Aktie nach – nachdem ihm die Amerikaner klargemacht hatten, einen Übernahmedeal gäbe es nur, wenn als erste Zahl eine 8 stünde. Mit dem Nachbessern aber waren Sulzer-Konzernchef Klaus Stahlmann und sein Präsident Peter Löscher aus dem Rennen.

Hohe Strafgebühr bei Vertragsbruch

Für Kaeser gibt es keinen Weg zurück, auch wenn es ein paar Investoren fordern. Denn die Amerikaner haben für alle Fälle vorgesorgt. Gemäss Übernahmevertrag müsste Siemens den Amerikanern eine «Termination Fee» in der Höhe von 400 Millionen Dollar bezahlen, sollten sie die Übernahme bis Ende 2015 abblasen. Billiger wäre es hingegen für die Amerikaner, falls sie den Stecker zögen. Sie müssten den Deutschen bloss 200 Millionen als Entschädigung hinlegen.

Ohnehin ist der Vertrag für die Amerikaner ein Heimspiel. Selbst die hohe Politik darf im Land der wirtschaftlichen Freiheit mitreden. Die Übernahme muss nämlich noch vom Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) geprüft und abgesegnet werden. Die US-Behörde wacht mit Argusaugen, dass keine Geschäftsgeheimnisse aus sensitiven Sektoren ins Ausland verkauft werden.

Die Amerikaner befehlen und kassieren

Selbst der «President of the United States» geniesst gemäss Vertrag ein Vetorecht. Sollte Dresser-Rand oder Siemens aufgrund von Interventionen von CFIUS oder US-Präsident Obama zum Rückzug blasen, müsste Siemens – im Gegensatz zu Dresser-Rand – 400 Millionen Dollar in bar bezahlen. Kurzum: Die Amerikaner befehlen und kassieren, die Deutschen bezahlen.

Das gilt auch für Dresser-Rand-Chef Vincent Volpe: Bei einem frühzeitigen Abgang sind ihm vertraglich drei Jahressaläre plus die Maximalboni garantiert, medizinische Versicherungsprämien für die ganze Familie inklusive.