Die Anzeige dürfte unmittelbaren Einfluss auf die Sulzer-Generalversammlung haben, die am kommenden Mittwoch über die Bühne geht. Das schreibt die „Handelszeitung“ in einer Vorabmeldung. Dort will Vekselbergs Beteiligungsfirma Renova, die mittlerweile gut 31% an Sulzer hält, die Wiederwahl von Sulzer-VR-Präsident Ulf Berg verhindern. In einem zweiten Schritt sollen an einer ausserordentlichen Generalversammlung neue Verwaltungsratskandidaten präsentiert werden, darunter Ex-ABB-Chef Jürgen Dormann. Aufgrund der neuen Ausgangslage steigt laut informierten Kreisen die Wahrscheinlichkeit, dass der Sulzer-Verwaltungsrat die Stimmrechte von Renova kurzfristig aberkennt. Das Thema soll jedenfalls an der Sitzung des Sulzer-Verwaltungsrates von morgen Dienstag Nachmittag debattiert werden. Erste Ergebnisse aus dem Meeting erwarten informierte Personen „frühestens ab 18 Uhr“.
Sulzer-Präsident Ulf Berg wusste offensichtlich bereits früher vom Entscheid des Finanzdepartements, ein Verwaltungsverfahren gegen Vekselberg, Pecik und Stumpf zu eröffnen. In einem kürzlich stattgefundenen Telefongespräch mit Sulzer-VR-Mitglied Daniel Sauter soll Berg angeblich gesagt haben: „Keine Sorge, Daniel, auch ich werde wiedergewählt.“
 
Das Finanzdepartement stützt sich dabei auf die Anzeige der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) von Anfang März. Der Strafrechtsdienst des EFD sei zum Schluss gekommen, dass genügend Anzeichen für den Verdacht vorliegen, dass Pecik, Stumpf und Vekselberg beim Aufbau ihrer Beteiligung an Sulzer zwischen November 2006 bis April 2007 gemeinsam gehandelt und dabei die Meldepflichten verletzt hätten.
Im Rahmen des Verwaltungsstrafverfahrens untersuche der Strafrechtsdienst "die Vorgänge sowohl zu Lasten wie zu Gunsten der betroffenen Personen". Solange keine rechtskräftige Verurteilung vorliege, gelte die Unschuldsvermutung. Angesichts des Umfangs und der Komplexität des Sachverhaltes werde das Verfahren längere Zeit in Anspruch nehmen. Das EFD wird erst wieder über diese Angelegenheit berichten, wenn das Verfahren abgeschlossen ist. Ob sich das Verfahren über Wochen, Monate oder Jahre hinziehen werde, mochte EFD-Sprecher Roland Meier gegenüber AWP nicht näher erläutern. Es seien aber Kapazitäten geschaffen worden und man strebe eine "zügige" Vorgehensweise an.

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