Der Verwaltungsrat von Sulzer verzichtet auf eine Empfehlung zum Pflichtangebot der Aktionärsgruppe um Renova. Diese hatte über die Tochtergesellschaft Tiwel Holding per Ende Juli 2015 den Schwellenwert von einem Drittel der Stimmrechte von Sulzer überschritten und in der Folge zur Erfüllung der gesetzlichen Angebotspflicht ein öffentliches Kaufangebot an alle Aktionäre von Sulzer unterbreitet.

Mit einem Gebot ohne Prämie sollten die Mehrheitsverhältnisse aber nicht in Frage gestellt werden. Der Angebotspreis von 99,20 Franken für alle ausstehenden Aktien des Industriekonzerns entsprach dem börsenrechtlichen Mindestpreis und dem damals relevanten Schlusskurs von Ende Juli.

Renova will keine Änderungen bei Sulzer

Zur Beurteilung des Kaufangebots habe der Verwaltungsrat von Sulzer einen unabhängigen Ausschuss gebildet, dem ausser den beiden Renova-Vertretern im Verwaltungsrat, Peter Löscher und Marco Musetti, alle unabhängigen Mitglieder des Verwaltungsrats angehören, teilt das Unternehmen mit. Dieser Ausschuss sei nach sorgfältiger Prüfung zum Schluss gekommen, auf eine Empfehlung hinsichtlich Annahme oder Ablehnung des Angebots zu verzichten.

Gemäss dem Angebotsprospekt strebe die Renova-Gruppe weder eine Änderung der strategischen Ausrichtung von Sulzer noch der bestehenden Zusammensetzung von Verwaltungsrat oder Konzernleitung an und an der Kotierung der Gesellschaft solle festgehalten werden. Entsprechend liege auch kein Kontrollwechsel vor.

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Aktienrückkauf möglich

Der Verwaltungsrat verweist darauf, dass das Wertsteigerungspotenzial von Sulzer im Angebotspreis nicht angemessen berücksichtigt sei. Dadurch würden Aktionäre, welche das Kaufangebot annehmen, von möglichen Kurssteigerungen nicht profitieren können. Andererseits schütze ein Andienen der Aktien vor einem allfälligen Kurssturz. Sollte eine grosse Anzahl Aktien angedient werden, könnte zudem die Liquidität des Titels reduziert werden.

Der Analyst von Baader Helvea hält es angesichts des aktuellen Marktumfeldes für möglich, dass Renova nun doch eine substanzielle Anzahl Aktien zum Kauf angeboten werden könnten. Dies sei umso mehr der Fall, sollte sich die Stimmung der Investoren bis zum Ablauf der Angebotsfrist noch weiter verschlechtern. Das Sulzer Management könnte jedoch jederzeit ein Aktienrückkaufprogramm starten, was deutlich positive Impulse für den Kurs geben könnte. Seiner Schätzung zufolge werde Sulzer per Ende 2015 über ein Netto-Barvermögen im Volumen von 20 Franken pro Aktie verfügen.

Die Sulzer-Aktien halten sich in einem von massiven Abgaben geprägtem Gesamtmarkt vergleichsweise stabil und sinken mit -0,3 Prozent auf 99,15 CHF nur leicht unter den von Renova offerierten Preis von 99,20 CHF.

(awp/dbe/ama)