Die Gespräche sind weit fortgeschritten: Sulzer verhandelt mit dem amerikanischen Konzern Dresser-Rand über eine Fusion. Dies machte die «Handelszeitung» gestern publik. Gelingt der Deal, soll gemäss Plan der beiden Unternehmen die Sulzer Division Chemtech verkauft werden. Sie ist weltweit führend im Bereich Trenn- und Mischtechnologien für die Chemie-, Gas- oder Ölindustrie.

Der Sulzer-Firmenteil hat 4100 Mitarbeitende weltweit. Die wichtigsten Standorte sind Schanghai und die Schweiz. In Oberwinterthur arbeiten 315 Menschen für Chemtech. Der Bereich weist einen Umsatz von 750 Millionen Franken aus, was rund einem Viertel des Gesamtumsatzes des Industriekonzerns entspricht. Geführt wird Chemtech seit letztem Jahr von Oliver Bailer, der auch in der Sulzer-Konzernleitung sitzt.

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Chemtech – fehlende Synergien?

Eine Abspaltung wäre einfach zu bewerkstelligen. Während in den letzten Monaten die zwei Sulzer-Divisionen Pumpen und Rotating Equipment Services stark integriert wurden, blieb die Division Chemtech weitgehend selbstständig. Bereits letztes Jahr war die Sulzer Division Metco an den Industriekonzern OC Oerlikon verkauft worden. Sowohl bei OC Oerlikon wie bei Sulzer hat der russische Milliardär Viktor Vekselberg als Grossaktionär das Sagen.

Am Markt dürfte ein Verkauf von Chemtech mit grossen Interesse aufgenommen werden. «Gemäss Sulzer gehört Chemtech zum Kern der Gruppe», sagt Rizk Maidi, Analyst bei Barclays Capital. «Dass Chemtech eine eigenständige Division in der neuen Bereichsstruktur geblieben ist, hat zu Spekulationen geführt, ob die Gruppe sich auf die Kernbereiche Pumpen und Services konzentrieren will.» Diese Meinung sei noch gestärkt worden durch die fehlenden Synergien zwischen den beiden Segmenten, so Maidi.

Chemtech-Umsatz legte 2013 um drei Prozent zu

Bereits zu Jahresbeginn hatte Sulzer mit Metco eine Unternehmensdivision an OC Oerlikon verkauft, die ebenfalls von Investor Vekselberg dominiert wird. Sulzer verlor damals zwar einen soliden Renditelieferanten, gleichzeitig flossen aber 850 Millionen Franken.

Chemtech erzielte 2013 als einzige der drei Divisionen ein positives Umsatzwachstum, rund drei Prozent gegenüber Vorjahr. Die umsatzmässig stärkste Einheit – Sulzer Pumps – büsste gut zwei Prozent ein. Konzernweit resultierte ein Umsatzminus von über zwei Prozent. Chemtech trug 2013 auch rund 80 Millionen zum Betriebsergebnis bei. Das ist ein Plus von über 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die anderen zwei Divisionen machten 2013 deutlich weniger Gewinn als noch 2012.