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Sunrise verzichtet auf Klage gegen Mobilfunkauktion

Trotz grosser Unzufriedenheit mit der Mobilfunkauktion verzichten Sunrise und Orange auf eine Klage. (Bild: Keystone)

Sunrise will keine Beschwerde gegen die Mobilfunkauktion einreichen - genauso wie Orange. Somit steht dem Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur in der Schweiz nichts mehr im Wege.

Veröffentlicht am 06.07.2012

Nach Orange verzichtet auch Sunrise auf eine Klage gegen die Mobilfunkauktion. Man wolle sich jetzt auf den Netzausbau konzentrieren, erklärte der zweitgrösste Telekomkonzern der Schweiz kurz vor Ablauf der Beschwerdefrist um Mitternacht.

Sunrise habe eine Beschwerde geprüft und verworfen. Man verzichte auf ein langwieriges Beschwerdeverfahren, um Investitionen in den Mobilfunk nicht zu verzögern, hiess es weiter.

Damit sei das Vergabeverfahren der Frequenzen endgültig und erfolgreich abgeschlossen, erklärte die Eidg. Kommunikationskommission (Comcom) ihrerseits in einem Communiqué. Denn keine der drei Konzessionärinnen Orange, Sunrise und Swisscom habe eine Beschwerde gegen die neuen Mobilfunkkonzessionen eingereicht.

Unzufriedenheit

Nachdem Orange vor einer Woche erklärt hatte, die angedrohte Klage gegen die Mobilfunkauktion fallenzulassen, hatte sich Sunrise praktisch bis zum letzten Moment bedeckt gehalten. Voll zufrieden sind beide Telekomunternehmen nicht mit der Auktion.

Orange zeigte sich unzufrieden, dass die Comcom im Nachhinein die Zahlungskonditionen für die Frequenzgebühren aufgeweicht und Ratenzahlungen erlaubt hatte. Sunrise ärgert sich, dass sie für ihre Frequenzen mit 482 Millionen Franken den höchsten Auktionspreis bezahlen muss.

Und dies, obwohl die Nummer zwei weniger Frequenzen ersteigert hatte, als die Swisscom, auf die lediglich 360 Millionen Franken entfallen. Am billigsten kam Orange mit 155 Millionen Franken weg, wofür der Mobilfunkanbieter aber auch am wenigsten Frequenzen erhält.

Beschuldigungen

Sunrise schob das Ergebnis dem äusserst komplizierten Auktionsverfahren in die Schuhe. Damit sei der Wettbewerb zugunsten der Swisscom verzerrt worden.

Dagegen ortet der Regulator den Fehler bei Sunrise: Der Auktionspreis sei das Ergebnis des Bietverhaltens von Sunrise, das relativ ungeschickt gewesen sei, sagte Comcom-Präsident Marc Furrer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

«Warum sich Sunrise so verhalten hat, weiss ich auch nicht.» Das Unternehmen habe unbedingt gewisse Frequenzen ergattern wollen, was zu diesem Resultat geführt habe.

«Wir haben die ganze Auktion nochmals von Drittexperten überprüfen lassen und haben keine Fehler gefunden. Es lief alles korrekt ab», sagte Furrer: «Deshalb macht Sunrise auch keine Beschwerde, weil sie nicht den Hauch einer Chance hätten.»

Netzausbau wichtig

Wichtig sei, dass es jetzt vorwärts gehe mit dem Ausbau der Mobilfunknetze, sagte Furrer. Die Menschen sollten möglichst schnell die neuen Technologien nutzen können. Das sei wichtig für die Schweizer Volkswirtschaft.

Eine Klage vor Bundesverwaltungsgericht gegen die Ergebnisse der im Februar über die Bühne gegangene Versteigerung aller Mobilfunkfrequenzen hätte die Aufrüstung der Netze erheblich verzögert.

«Für die Schweiz könnte dies zum Desaster werden und dazu führen, dass es auf allen drei Mobilfunknetzen zu Engpässen kommt», sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» vom Freitag.

Sunrise wäre mit ihrer Klage als Verhinderer einer technologischen Entwicklung dagestanden. Denn die mobile Datennutzung wachse sehr stark und schon gegen Ende Jahr kämen erste Handys auf den Markt, die die neue Mobilfunkgeneration LTE nutzen könnten, sagte Schloter.

(aho/tno/sda)

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