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Postauto-Skandal
Susanne Ruoff wäre besser im Februar schon gegangen

Susann Ruoff

Susanne Ruoff: Hat der Verwaltungsrat sich letztlich abgewandt?

Quelle: Keystone

Seit Monaten ist publik, dass Susanne Ruoff von der Postauto-Affäre wusste. Erst jetzt zog sie die Konsequenzen – merkwürdig verspätet.

Kommentar  
Von Stefan Barmettler
am 11.06.2018

Was gestern Abend kurz nach 19 Uhr explodierte, war eine Bombe. Eine Bombe mit Zeitzünder: Der Rücktritt von Susanne Ruoff. Und dieser tickte bereits seit Mitte Februar. Schon damals war klar: Susanne Ruoff, die Pöstlerin der Nation, ist nicht mehr tragbar. Die Kollegen vom «Blick» hatten damals Dokumente publiziert, die bewiesen, dass Ruoff, ja die ganze Konzernleitung seit geschlagenen fünf Jahren von der Postauto-Trickserei wussten.

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Die interne Revision hatte gewarnt, an einer Klausur der Konzernspitze wurde die Subventions-Erschleichung auch noch offen diskutiert – unter den Augen von Post-Chefin Ruoff. Die Alarmglocke geläutet oder zumindest harte Fragen hat sie keine gestellt. Das war ihr erstes Versagen.

Chronik: Der Postauto-Skandal

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Bekannt wird der Postauto-Skandal im Februar 2018. Die Vorfälle selbst reichen jedoch viel weiter zurück: Von 2007 bis 2015 hat die Postauto AG im subventionierten Geschäftsbereich Gewinne erzielt und diese Erträge umgebucht und in anderen Sparten versteckt. In Folge hat die Post-Tochter zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen. Insgesamt geht es um 78,3 Millionen Franken. Wie wurden die Vorfälle schliesslich aufgedeckt?

Quelle: Keystone .

Das zweite: Subito schob sie dem Postauto-Chef den Schwarzen Peter zu und schickte ihn in die Wüste. So ganz nach dem Motto: Ich weiss von nichts – aber ich weiss ganz sicher, dass es der andere war. Dieser, so meine Vermutung, liess diese Scham nicht auf sich sitzen und spielte belastende Dokumente über die wenig loyale Post-Chefin an die Medien weiter. Und die zeigten eben: Ruoff war – zumindest in Umrissen – über die Machenschaften im Bild.

Es wäre besser gewesen, Ruoff hätte im Februar hingestanden

Erstaunlich ist für mich eines: Die Fakten liegen seit vier Monaten auf dem Tisch. Aber niemand ist auf die Idee gekommen, Verantwortung zu übernehmen und Klartext zu reden. Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller blieb stumm, aber auch die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard. Stattdessen wurde auf Betriebsamkeit gemacht, Untersuchungsberichte angefordert – und vielleicht insgeheim gehofft, diese würden Ruoff entlasten.

Mit der Berner Kulissen-Schieberei ist jetzt vorbei. Heute Mittag wird der Untersuchungsbericht publiziert – und der wird für die Verantwortliche kein Ruhmesblatt sein. Es wäre viel besser gewesen, Susanne Ruoff wäre schon im Februar hingestanden, hätte sich entschuldigt – und wäre zurückgetreten. Jetzt aber riecht ihr Rücktritt schwer danach, als hätte ihr der Verwaltungsrat, endlich aufgewacht, das Vertrauen entzogen. Erhellend, wie dieser auf ihren sofortigen Rücktritt reagierte: Man nehme den Entscheid zur Kenntnis. Kein Wort des Dankes.