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Kritik
Swatch-Chef Hayek fordert Reform der Nationalbank

Nick Hayek: Der Swatch-Chef die SNB als grösste Gefahr für die Schweiz.   Keystone

Swatch-Chef Nick Hayek sieht die Nationalbank als grösste Gefahr für den Standort Schweiz. Er fordert Reformen – und schlägt eine Erweiterung des Direktoriums auf fünf oder sieben Mitglieder vor.

Veröffentlicht am 22.02.2015

UBS-Chef Sergio Ermotti plädierte in der letzten Woche für Deregulierungen, Swatch-Chef Nick Hayek kritisiert diesen «Masterplan» – er sieht das Problem bei der Nationalbank. Im Interview mit der Zeitung «Schweiz am Sonntag» sagt er, die Schweiz habe nun eine offene Flanke: «Wir operieren quasi ohne Nationalbank. Sie hat sich vor den Augen der ganzen Welt aus dem Spiel genommen.»

Die Nationalbank habe Schwäche gezeigt, und diese Schwäche werde weiterhin kommuniziert. Man erzähle überall, warum man nicht gekämpft habe, dass die Nationalbank den Euro-Mindestkurs nicht mehr hätte durchhalten können.

Nationalbank ist abgehoben

Hayek schlägt darum eine Reform der Nationalbank vor. «In einem demokratischen Land ist es erlaubt zu fragen: Wie könnte man wieder eine Nationalbank konstruieren, die wichtige Beschlüsse wie die des Frankenkurses nicht einfach im stillen Kämmerlein des dreiköpfigen Direktoriums trifft?»

Die Nationalbank sei in einem «Denktempel», theoretisch abgehoben, sagt Hayek. Er habe zwar keine Patentlösung für das Problem, macht aber einen Vorschlag: «Vielleicht ist das Direktorium mit drei Personen zu klein, vielleicht bräuchte es fünf oder sieben sehr unterschiedliche Personen. Nicht nur Professoren und Theoretiker. Die Debatte über die Nationalbank ist absolut zentral. Diese offene Flanke ist im Moment das grösste Risiko für den Standort Schweiz

Swatch ist gut positioniert

Hayek stellt klar, dass er die Nationalbank nicht deshalb kritisiert, weil die Swatch Gruppe stark vom Mindestkurs-Aus getroffen ist. «Das tut sie nicht», sagt er. «Unser Unternehmen ist nur zu etwa 18 Prozent Euro-exponiert.» Der Dollar und der chinesische Renminbi seien viel wichtiger. Zudem arbeite die Hälfte der 36'000 Swatch-Mitarbeiter im Inland. «Wir sind sehr gut aufgestellt und denken nicht über Lohnsenkungen oder Kurzarbeit nach.»

Auf politischer Ebene werden nun die Parteien aktiv: Mehrere wollen in der Frühlingssession eine dringliche Debatte zum Thema durchführen. Die FDP, die CVP, die SVP und die Grünen haben Interpellationen mit dringlichen Fragen an den Bundesrat eingereicht, wie die Parteien am Freitag mitteilten. Auch die SP fordert eine dringliche Debatte.

Fader SP-Eintopf

Die Forderungen der Parteien unterscheiden sich allerdings beträchtlich: Während sich die SP gegen eine Ausweitung der Arbeitszeiten und gegen Lohnkürzungen wehrt, sieht die SVP die Lösung in der «Deregulierung und Revitalisierung». Die FDP fordert unter anderem den Abbau von Handelshemmnissen.

In einem ganzseitigen Inserat in der Sonntagspresse kritisiert FDP-Chef Philipp Müller die Rezepte der Sozialdemokraten: «Wird das Menü nach diesen Vorgaben gekocht, gibt’s einen faden Eintopf ohne jeglichen Nährwert», schreibt Müller. «Dermassen viel Gleichmacherei verdirbt zwangsläufig den Brei!» Und: «Wer von eurem Eintopf isst, wird nicht satt, sondern krank.»

(ise)

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