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Swatch: Keine Bezahluhren mehr in der Schweiz

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Bezahluhr Swatch Bellamy: In der Schweiz 2016 lanciert, jetzt wird sie nicht mehr beworben. Keystone

In China mit Cloud-Tech lanciert, in der Schweiz in den Wolken verschwunden: Warum sich die Bezahl-Swatch in den zwei Weltgegenden so unterschiedlich entwickelt.

Von Michael Heim
20.07.2017, Aktualisiert vor 7 Stunden

Während man sich in der Schweiz noch immer fragt, wann und wie sich das Handy-Zahlungsmittel «Twint» durchsetzen wird, hat Swatch diese Woche – und ohne grosse Beachtung im Heimmarkt – in China vorgemacht, wie es auch geht. Unter dem Label «Swatch Pay» wurde dort die zweite Generation Bezahl-Uhren lanciert. Zahlreiche Banken und die Kreditkartenfirma China Union Pay sind mit dabei. Das Zahlen geht wie bei Contactless-Kreditkarten: Uhr ans Bezahlterminal halten, und fertig.

In der Schweiz 2016 - jetzt kein Thema mehr

Wir erinnern uns: Vor einem Jahr wurde auch hierzulande ein Swatch-Modell namens «Bellamy» auf den Markt gebracht, mit dem man bezahlen konnte. Partner waren Visa und die Tessiner Kartenherausgeberin Cornèrcard. In einem eher mühsamen Prozess mussten Käufer dieser Uhr bei Cornèrcard ein Prepay-Kartenkonto eröffnen. Danach wurde die Bezahlfunktion der Uhren aktiviert. Wenn der Kunde dann auch noch Geld auf das Prepay-Konto einbezahlte, konnte er mit seiner Uhr bezahlen.

Anders als in China ist Bellamy in der Schweiz kein Thema mehr. Swatch bietet keine Uhren mehr an, das Bezahlsystem wird nicht mehr beworben. Modelle aus der Reihe Swatch Bellamy seien in der Schweiz nicht mehr erhältlich, bestätigt eine Swatch-Sprecherin auf Anfrage der «Handelszeitung». Auch auf der Website von Swatch wird nicht mehr auf das Schweizer Angebot verwiesen. Lediglich bei Kartenherausgeberin Cornèrcard findet man noch Angaben zu den entsprechenden Kreditkarten.

«Altmodische Banken» in der Schweiz

In China ging Swatch technologisch einen Schritt weiter: Das neue «Swatch Pay» basiert auf Cloud-Technologie. Für den Kunden heisst das vor allem eines: Alles geht schneller und einfacher. Die Uhr kann im Swatch-Laden registriert und aktiviert werden. Kunden können mit wenig Aufwand ihre bestehende Kreditkarte im Swatch-System registrieren und gleich nach dem Kauf der Uhr nutzen. Sie müssen nicht – wie bei Cornèrcard – erst ein neues Kartenkonto eröffnen.

Diese Technologie würde Swatch gerne auch in Europa nutzen, stösst aber offenbar auf Schwierigkeiten, wie das Statement der Sprecherin zeigt. Man habe es hier «immer noch mit altmodischen Banken und Kreditkarten-Anbietern zu tun, im Gegensatz zu China». Gespräche mit Kartengesellschaften würden zwar geführt. Doch offenbar sind diese noch nicht zu Abschlüssen gekommen.

Cornèrcard möchte von einem Flop der Bellamy nichts wissen. Die Lancierung sei «sehr erfolgreich» gewesen, sagt Sprecherin Daniela Gampp.  «Sie vor allem auch unter dem Aspekt der Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien sehr spannend.» Die bestehenden Kreditkarten-Uhren blieben bis auf weiteres voll funktionstüchtig, so die Sprecherin.

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