Die Swatch Group muss auch im Jahr 2013 die im Rahmen einer Untersuchung von der Wettbewerbskommission (Weko) provisorisch festgelegte Menge mechanischer Uhrwerke und Uhrwerks-Komponenten an die Konkurrenz liefern.

Da die Untersuchung nicht vor Mitte 2012 zu einem Abschluss kommen wird, hat die Weko die vorsorglich getroffenen Massnahmen um ein Jahr verlängert. Damit erhält die Branche mehr Zeit für Anpassungen und vor allem Planungssicherheit.

Die Verlängerung soll den Unternehmen der Uhrenindustrie ermöglichen, das nächste Geschäftsjahr frühzeitig planen zu können, teilte die Weko mit. Dieser Schritt sei nötig geworden, da die Bestellfristen für Uhrwerke in der Regel mehrere Monate betragen, die gegen Swatch Group eröffnete Untersuchung aber nicht bis Mitte 2012 abgeschlossen werden könne.

Vorsorgliche Massnahmen bis 2013 verlängert

Am 6. Juni 2011 hatte die Weko auf Initiative der Swatch Group hin gegen den Bieler Uhrenkonzern eine Untersuchung eröffnet. Die Untersuchung soll aufzeigen, ob der von der Swatch Group angekündigte Ausstieg aus der Belieferung gewisser Komponenten für mechanische Uhrwerke gegen das Kartellgesetz verstosse, so die Mitteilung weiter. Das Verfahren nehme seinen normalen Verlauf.

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Gleichzeitig hatte die Weko damals gestützt auf eine einvernehmliche Regelung mit der Swatch Group vorsorgliche Massnahmen bis Ende 2012 erlassen. Diese sehen unter anderem vor, dass Swatch im Jahr 2012 die Lieferung mechanischer Uhrwerke an Drittkunden auf 85 Prozent und von Assortiments auf 95 Prozent der Menge, welche 2010 bezogen wurde, reduzieren kann. Diese Liefermengen gelten nun auch für das Jahr 2013.

Swatch hofft auf Weko-Entscheid im Jahr 2012

Die Swatch Group hat am Dienstag vom Entscheid der Weko Kenntnis genommen. Swatch verstehe, dass die Untersuchung Zeit beanspruche, teilte der Uhrenkonzern in einer Stellungnahme mit. Dessen ungeachtet hofft der Konzern, dass der definitive Entscheid zur Weko-Untersuchung noch im laufenden Jahr fallen wird.

In der Vergangenheit betonte CEO Nick Hayek, dass die Gruppe in Zukunft selber darüber entscheiden möchte, welche Partner sie mit wie vielen ETA-Uhrwerken und Assortiments von Nivarox beliefert.

Kaum Auswirkungen für Swatch

Gemäss René Weber von der Bank Vontobel stellt die Verlängerung der vorsorglichen Massnahmen für die Swatch Group kein grosses Problem dar. Nun wisse der Konzern wenigstens, was das Jahr 2013 bringen wird. Dagegen erhalte die Branche mehr Zeit zur Anpassung und verschaffe ihr eine gewisse Planungssicherheit für 2013.

Mit Blick auf die Suche der Branche nach weiteren Alternativen in der Beschaffung von Uhrwerken und Komponenten habe die Swatch Group keine grossen Auswirkungen zu befürchten, so Weber weiter. Denn mit einem Marktanteil von 70 Prozent bei mechanischen Uhrwerken und von 95 Prozent bei Assortiments sei die Gruppe sowieso der dominierende Lieferant der Schweizer Uhrenindustrie. Der Vontobel-Analyst bestätigt die «Kauf»-Empfehlung mit einem Kursziel von 480 Franken.

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Aktie etwas fester

Die Swatch-Aktie notiert am Dienstag gegen 17 Uhr mit +0,2 Prozent auf 386,10 Franken etwas fester, nachdem sich die Titel zuvor von den Verlusten der vergangenen Wochen deutlicher erholt haben. Die Gewinne bröckelten aber mit der Meldung zu Griechenland ab, dass in Athen die Gespräche zur Bildung einer Regierung gescheitert sind und Neuwahlen durchgeführt werden müssen.

Die Papiere des Luxusgüterkonzerns Richemont, der am Mittwoch die Jahreszahlen 2011/12 vorlegen wird, geben mit 0,1 Prozent leicht nach, der Gesamtmarkt (SMI) verliert ebenfalls 0,1 Prozent. Die Swatch Group hält am Mittwoch in Biel die ordentliche Generalversammlung ab.

(aho/chb/awp)