Nick Hayek, Chef der Bieler Swatch Group, sieht die Lage für den Uhrenkonzern nach der deutlichen Abwertung der chinesischen Währung Yuan in den vergangenen Tagen wenig dramatisch. «China hat jahrelang zugelassen, dass sich seine Währung gegenüber dem US-Dollar, dem Yen und dem Euro aufgewertet hat. Jetzt haben die Chinesen diese Entwicklung etwas korrigiert, weil sie der Ansicht sind, der Yuan sei überbewertet», sagte Hayek der «NZZ am Sonntag». Auf Preiserhöhungen in China verzichtet die Gruppe.

Positiver Effekt auf Konsum

Hayek wies daraufhin, dass die Regierung in China mit der Yuan-Abwertung den Export stimuliere. Dies werde mittel- bis langfristig einen positiven Effekt auf den Konsum haben. Derweil kaufen Chinesen heute Luxusgüter vermehrt im Ausland. Dieser Trend sei in Europa klar zu spüren, meint Hayek. «Ich schätze, dass rund 50 Prozent der Uhrenverkäufe in Europa auf das Konto von Touristen gehen, mehrheitlich von Chinesen.» In Luzern und Interlaken seien die Umsätze mit Uhren in diesem Jahr bisher erneut um über 20 Prozent gewachsen.

Trotz der Yuan-Abwertung hat Hayek entschieden, auf Preiserhöhungen in China zu verzichten. «Die Swatch Group bleibt ihrer Philosophie treu, wegen Wechselkursschwankungen nicht kurzfristig die Preise zu erhöhen», sagte der CEO in der NZZaS. Der Gewinn weiterer Marktanteile habe Priorität. «Wir sind überzeugt, dass wir auch in diesem Jahr mehr Uhren in China verkaufen können.»

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Höhere Stückzahlen gleichen Wechselkursverlust aus

Bisher sei die Marke Swatch in Festlandchina mengenmässig um über 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. «Die höheren Stückzahlen werden die Wechselkurs-Einbussen ausgleichen», hofft Hayek. Überdies sinken mit der Yuan-Abwertung auch die Kosten vor Ort. Die Gruppe beschäftigt in Festlandchina über 2600 Mitarbeiter, vor allem im Marketing, im Verkauf und im Kundendienst.

Wachstumschancen ortet Hayek in Indien, wo die Gruppe seit vergangenem Dienstag vom Industrie-Ministerium die Erlaubnis hat, eigene Marken-Läden unter dem Namen Swatch eröffnen zu können. Heute ist Swatch nur via Franchise-Nehmer an rund 100 Standorten in Indien vertreten. Nun seien in einem ersten Schritt Eröffnungen von eigenen, viel grösseren Läden in den neun wichtigsten Städten Indiens geplant, verrät Hayek.

«Wir sehen in den nächsten drei bis fünf Jahren das Potenzial für etwa 50 bis 80 eigene Swatch-Läden», so Hayek weiter. Wenn Indien sich öffne und vom Protektionismus Abschied nehme, sei es für die Gruppe möglich in drei bis fünf Jahren einen Umsatz zwischen 300 und 500 Millionen Franken zu erzielen. Heute verkauft Swatch Group in Indien Uhren für über 100 Millionen Franken pro Jahr.

(awp/chb)