Swiss Bankers, das frühere Reisecheck-Center der Schweizer Banken, baut das Geschäft mit Auslandüberweisungen aus und setzt dabei auf sogenannte Remittances in Schwellenländer.

Swiss Bankers lancierte im August dazu eine neue App, um einfacher Geld ins Ausland zu verschicken. Dabei setze man explizit auf «Ethnomarketing», wie CEO Hans-Jörg ­Widiger am Swiss Payment Forum darlegte. Die Bankentochter zielt auf Migranten.

Das Angebot von Swiss Bankers habe seit August bereits 8000 Vollregistrierungen generiert, so Widiger. Die Payment-­App erlaubt es, auf verschiedene Weisen Geld zu überweisen, und greift damit nicht nur Banken, sondern auch Netz­werke wie Paypal und Bargelddienstleister wie Western Union an.

Angriff aufs Bankennetzwerk

Nicht nur sind mit der App Überweisungen an Bankkonten oder Payment-Wallets möglich; ab kommendem Jahr sollen auch Zahlungen angeboten werden, die in den Zielländern in bar bezogen werden können.

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Zudem – und das ist eine Europa-Premiere – ermöglicht es die App, in Echtzeit Geld an Kreditkarten von Mastercard zu überweisen. Dieser Service ist neu und wird noch nicht überall unterstützt. Er soll aber schrittweise weltweit eingeführt werden. Mastercard greift damit direkt die Netzwerke der Banken an.

Die Liste der derzeit häufigsten Zielländer zeigt, auf welches Publikum es Swiss Bankers abgesehen hat. Zuoberst stehen die Türkei, Thailand und Kosovo. Der Markt für Heimatüberweisungen sei gross, betont Widiger, der seit 2017 Chef von Swiss Bankers ist und das Unternehmen stark umgebaut hat.

Die Schweiz steht an erster Stelle

Mit 25 Milliarden Dollar pro Jahr sei die Schweiz weltweit die Nummer drei für solche Transfers. Davon stammten 8,8 Milliarden von Privaten und 2 Milliarden wiederum gingen in Länder ausserhalb des EU-Zahlungsraums Sepa. Dort könne man punkten.

Günstig ist das Angebot nicht. Zahlungen kosten je nach Betrag 2 oder 3 Franken pauschal. Hinzu kommt ein Fremdwährungszuschlag sowie – je nach Quelle des Geldes – eine Gebühr für die Einzahlung.

Die Kosten dürften damit vergleichbar sein mit Banküberweisungen in exotische Länder oder Bargeldtransfers. Bezahlt werden kann nicht nur mit den Kreditkarten von Swiss Bankers, sondern auch ab Fremdkarten oder über E-Banking.

27 Zielländer kennt die Send-Funktion derzeit, 100 weitere sollen 2021 dazukommen. Ein Land fehlt allerdings noch: die Schweiz. Noch kann hierzulande kein Geld direkt an Kreditkartenkonten verschickt werden, da sich die übrigen Kartenherausgeber gegen die Einführung der Send-Funktion sperren. Auch mit dem ­Visa-Netzwerk ist Mastercard Send bislang nicht kompa­tibel. Daran arbeite man jedoch, sagt Widiger.

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