Tabus gibt es für Swiss-Chef Harry Hohmeister keine. Unter den diversen Szenarien, die bei der Fluggesellschaft intern durchgespielt werden, ist ein Projekt, den Flugverkehr neu zu strukturieren. Hier Swiss International, die im Unterschied zu heute nur noch Langstreckenflüge anbieten soll. Dort eine «neue EU-Plattform», die nur noch den Europaverkehr abwickeln soll.

Das Modell läuft bei der Swiss unter dem Codenamen «Calvin & Zwingli», wie aus einem internen Strategiepapier mit Datum vom 4. Juni hervorgeht. Es liegt der «Handelszeitung» vor (siehe Bildstrecke). Autor ist Hohmeisters operativer Chef Rainer Hiltebrand.

Noch sind keinerlei Entscheide gefallen. Klar ist aber, dass die Swiss den Sparhobel vor allem beim Europageschäft ansetzen will.  Zu «Calvin & Zwingli» will sich Sprecherin Susanne Mühlemann nicht äussern. Sie bezeichnet das Dokument als «Arbeitspapier, das verschiedene mögliche Zukunftsmodelle skizziert, die erst diskutiert werden». Ob und wie sie umgesetzt würden, sei nicht entschieden.

«Arbeitsplätze im Swiss-System erhalten»

Der Europaverkehr ist im ganzen Lufthansa-Konzern das Sorgenkind, auch bei Swiss. «Wir haben im Europaverkehr Probleme mit der Kostenstruktur», sagte Hohmeister der «Handelszeitung» am Iata-Treffen in Peking von dieser Woche. «Das gehen wir dieses Jahr Schritt für Schritt an. Da ist keine Position ausgenommen, alle müssen neu beleuchtet werden.»

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Laut Insidern würde der Swiss-Chef gerne eine Reduktion des Aufwandes um 20 Prozent erreichen. Er selbst aber sagt: «Realistisch gesehen sprechen wir hier vielleicht von einer Grössenordnung im oberen einstelligen Prozentbereich.»

Mit Verweis auf die neue Europa-Airline Iberia Express der spanischen Iberia stellte Hohmeister in Peking ausserdem klar, dass für ihn die Neustrukturierung des Unternehmens nur das letzte Mittel ist. «Ich denke nicht, dass wir so massiv reagieren müssen.» Die Angestellten müssten aber verstehen, «dass wir in einer globalisierten Branche eben auch global wettbewerbsfähig sein müssen». Letztlich gehe es darum, «Arbeitsplätze im Swiss-System zu erhalten». Dazu brauche es noch mehr Flexibilität.