Nach dem Absturz eines Airbus von Germanwings ändern Fluggesellschaften im In- und Ausland ihre Regeln für die Besetzung des Cockpits. Die Lufthansa-Tochter Swiss und die Edelweiss Air diskutierten am Freitag über die Zwei-Mann-Regel für die Pilotenkanzel.

Gespräche seien im Gang, sagte Swiss-Sprecherin Karin Müller am Freitagvormittag auf Anfrage. Voraussichtlich werde im Laufe des Tages ein Entscheid fallen. Mit der Zwei-Mann-Regel soll verhindert werden, dass ein Pilot oder eine Pilotin alleine im Cockpit ist.

Edelweiss Air diskutiert

Eine Sitzung zu diesem Thema gab es am Freitagvormittag auch bei der Edelweiss Air, wie Sprecher Andreas Meier sagte. Edelweiss ist eine Schwestergesellschaft der Swiss und gehört wie diese zur Lufthansa-Gruppe. Entschieden werde in der Gruppe.

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass Easyjet Schweiz eine Zwei-Personen-Regelung am Freitag in Kraft setzen wollte. Auch Helvetic Airways passte ihre Sicherheitsvorschriften bereits per sofort an. Demnach müssen neu immer zwei Personen im Cockpit sein. Sollte einer der Piloten das Cockpit verlassen, muss ein Crewmitglied aus der Kabine das Cockpit besetzen, hiess es bei Helvetic.

BAZL behält sich Massnahmen vor

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) verfolgt das Geschehen aktiv mit. Das Amt behalte sich vor, Massnahmen anzuordnen, falls sich das als notwendig erweisen sollte, sagte Sprecher Anton Kohler. Gebe die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA Weisungen aus, würden diese automatisch auch für die Schweiz gelten, sagte der Sprecher.

Ausländische Gesellschaften wie Air Berlin – Muttergesellschaft der schweizerischen Belair –, Easyjet, Air Baltic, Air Canada und Icelandair kündigten inzwischen neue Regeln für die Besetzung des Cockpits an. Auch bei den britischen Fluggesellschaften Virgin Atlantic, Monarch und Thomas Cook muss sich künftig ein Mitglied der Kabinen-Besatzung im Cockpit aufhalten, wenn ein Piloten seinen Platz verlassen muss. British Airways wollte sich am Freitag noch nicht äussern.

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Airlines weltweit reagieren

Bei der tschechischen Czech Airlines gilt die Zwei-Mann-Regel bereits seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. «Wenn einer der Piloten das Cockpit verlässt, muss ein Flugbegleiter auf einem Ersatzsitz Platz nehmen und auf dessen Rückkehr warten», sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft im tschechischen Radio.

Auch Australien überprüft die Regeln für die Cockpit-Besetzung. Die Regierung habe von den australischen Fluglinien Information zu ihren Abläufen im Cockpit angefordert, berichtete die Nachrichtenagentur AA. Australien wolle sicherstellen, dass Fliegen auch weiterhin die sicherste Transportmethode bleibe, sagte Regierungschef Tony Abbot.

«Flugbegleiter kann Katastrophe nicht verhindern»

Skeptisch zur Zwei-Mann-Regel äusserte sich der ehemalige Sicherheitschef der polnischen Fluggesellschaft LOT, Jerzy Dziewulski. Flugbegleiter im Cockpit könnten während der Abwesenheit eines der Piloten eine Katastrophe nicht verhindern, sagte er im polnischen Nachrichtensender «TVN 24». «Der Pilot in der Kabine sagt: Setz dich, fass nichts an, du hast keine Ahnung. Ich bin derjenige, der die Maschine steuert.»

Ein Germanwings-Airbus A320 war am Dienstag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. An Bord waren 150 Menschen. Nach Angaben der französischen Ermittler steuerte der Co-Pilot den Airbus offenbar absichtlich in die Katastrophe. Er war zum Zeitpunkt des Unglücks alleine im Cockpit.

(sda/ise/ama)