Der Award hat unserem ganzen Team gezeigt, dass es zu den Besten der Schweiz gehört, und wir alle erlebten ihn als eine grosse Anerkennung für unseren Mut zum Risiko und die jahrelange harte Arbeit», erklärt Marcel Aeschlimann, VR-Präsident der WoodWelding SA. Die Firma war 2006 Gewinnerin in der Kategorie Hightech/Biotech. Die Juroren begeisterten sich für die innovative Technologie, die Ultraschallenergie nutzt, um poröse Materialien zu verbinden und zu verankern. Das revolutionäre Verfahren hatte die Firma zusammen mit Industrie- und Forschungspartnern zunächst für den Möbelbau entwickelt. In einem weiteren Schritt wurde es auf die Medizintechnik für die Knochenverankerung ausgeweitet. Heute wird es für Osteosynthese-Verfahren in der Schädel- und Kieferchirurgie erfolgreich eingesetzt. Weitere Anwendungen findet die Technologie in der Wirbelsäulenchirurgie und Sportmedizin.

Ideales Marketing-Tool

Dem Jungunternehmen ist es nicht zuletzt dank einer klugen Geschäftsstrategie mit weltweiter Lizenzierung gelungen, dem Verfahren auch wirtschaftlich zum Erfolg zu verhelfen. «Der Swiss Economic Award hat uns dabei zu einem zusätzlichen Schub verholfen», glaubt Aeschlimann. Der Preis sei ein gut kommunizierbares Marketing-Tool für die Verkaufsaktivitäten in ganz Europa und sogar in den USA. Seit der Auszeichnung vor vier Jahren ist die Zahl der Beschäftigten bei WoodWelding von 12 auf 20 gestiegen. Die Firma hat ihren Sitz inzwischen in Zug. Forschung und Entwicklung als personell stärkste Abteilung dieses ansonsten schlanken Hightech-Unternehmens befinden sich weiterhin am Ort des Ursprungs in Biel. Zum grundsätzlichen Erfolgsrezept meint Aeschlimann: «Damit aus einer technischen Revolution ein goldener Industriestandard wird, braucht es Kampfgeist, Ausdauer, ein ausgezeichnetes Team und jede Menge Kreativität mit spielerischer Vorstellungskraft.»

Ein ausgesprochenes Hightech-Unternehmen ist auch die auf Sensortechnologie spezialisierte Oblamatik in Chur. Doch den Preis erhielt das Bündner Unternehmen 2005 in der Kategorie Produktion/Gewerbe, weil es nicht nur forscht und entwickelt, sondern auch Komponenten produziert. Diese werden im sanitären Umfeld eingesetzt, etwa zur Steuerung des Wasserflusses und der Temperatur sowie zur automatischen Spülung. Anzutreffen sind die Sensoren in Waschtisch- und Küchenarmaturen, Badewannen und Duschsystemen. Zu den Kunden der Oblamatik gehören heute namhafte Firmen wie Villeroy & Boch, Laufen, Geberit und Duravit. «Für mich persönlich war der Preis ein schöner Motivationsschub, um das Unternehmen umso tatkräftiger weiterzuführen», verrät CEO Roland Obrist.

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Wichtige Türen aufgestossen

Für die Firma wurde mit dem Award die weitere Finanzierung einfacher. Zudem konnten einige neue Türen zu ausländischen Kunden aufgestossen werden. «Dank dem Preis gewannen wir an Vertrauen und Seriosität, und er schaffte die Basis für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit», lässt Obrist weiter durchblicken. Seit der Auszeichnung ist die Oblamatik auf einem kräftigen Wachstumspfad. Die Zahl der Beschäftigten hat sie von 9 auf 17 knapp verdoppeln können. Wie bei der WoodWelding ist auch bei der Oblamatik die Forschung und Entwicklung bis heute die beschäftigungsintensivste Abteilung. Das ist Ausdruck der Firmenphilosophie wie auch des Geschäftsmodells. «Wir begnügen uns nicht damit, einfach bestehende Technologien zu verbessern, sondern suchen nach völlig neuen Lösungen», sagt Obrist. Die Serienproduktion hat das Unternehmen an professionelle Fertigungsbetriebe ausgelagert. Zur erfolgreichen Vermarktung werden Kooperationen mit etablierten Partnern angestrebt. «Unser Ziel ist es, den Technologiefortschritt richtungweisend mitgestalten zu können», sagt Obrist. Er macht kein Geheimnis daraus, worauf es seiner Meinung nach bei einem erfolgreichen Start-up wirklich ankommt: «Es braucht Durchhaltewillen, Durchhaltewillen und nochmals Durchhaltewillen.»

Ganz anders ausgerichtet als WoodWelding und Oblamatik ist das Jungunternehmen Götti. Den Namen hat es von einem der Gründer, von Sven Götti, der mit Felix Moreno und Kerstin Vogt 2002 die Firma auf die Beine stellte. Am Anfang lancierte Götti, der gelernte Optiker, der sich erst einmal das Designhandwerk aneignen musste, eine kleine Brillen-Kollektion aus Büffelhorn. Er traf damit den Geschmack der besonders modebewussten Brillenträger. Dieses Angebot erweiterte er bald einmal um Kunststoff- und Titaniummodelle, die das Unternehmen in Deutschland und Japan herstellen lässt. Vom kleinen Schweizer Brillenlabel entwickelte sich Götti schnell zum international erfolgreichen Anbieter, auch dank dem richtigen Gespür für Zeitgeist, Markt und Produkte. Der Swiss Economic Award, um den sich die Firma 2008 erfolgreich in der Kategorie Produktion/Gewerbe bewarb, war eine logische Folge des steilen Aufstiegs.

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Wertvolle Lerneffekte

«Der Moment auf der Bühne, die vielen Gratulationen und der Wirbel um die Person sind schöne Momente. Nach Jahren des Aufbaus erhielt ich von einer hochkarätigen Jury ein positives Feedback für meine Arbeit, was mich sehr motiviert hat, mich weiter zu entwickeln», meint Götti rückblickend. Der Preis verschaffte dem Unternehmen einen gewaltigen Publizitätsschub. Plötzlich sprach man nicht nur unter Insidern, sondern in der ganzen Branche mit Respekt und Anerkennung vom Schweizer Brillenlabel. Heute findet man die Brillenfassungen aus Wädenswil rund um den Globus in Fachgeschäften in 35 Ländern. Die Firma zählt inzwischen 45 Angestellte. Nebst Ruhm und Ehre verbindet der Firmenchef mit der Teilnahme am SEA auch wertvolle Lerneffekte: «Die Vorbereitungen zwangen uns dazu, uns gründlich mit der eigenen Firmengeschichte zu befassen.» Diese Erfahrung kann er nur weiterempfehlen, «denn jedes Unternehmen lernt sich so besser kennen und kann daraus wertvolle Schlüsse ziehen».

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Unbezahlbare Publizität

Die Vorzeigebeispiele verleiten zur Annahme, dass der SEA in jedem Fall eine automatische Erfolgsgarantie ist. Doch es gibt auch Preisträger, welche die Erwartungen später nicht erfüllen konnten. Jury-Präsidentin Carolina Müller-Möhl stellt klar: «Der Preis ist sicher eine schöne Wegmarke, eine Anerkennung für das bereits Erreichte. Aber den Gewinnern steht noch sehr viel Arbeit bevor, um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen.» Bisher sind wenige der prämierten Firmen gescheitert. Auf der Strecke blieb zum Beispiel die im Jahr 2000 ausgezeichnete Opto Speed, die in der Dotcom-Blase wegen eines Klumpenrisikos auf der Kundenseite aufgeben musste. Von der Bildfläche verschwand auch die Concepcion Technologies (2. Rang 2001). Die Beurteilungskriterien der Jury seien aber heute so streng, dass das Risiko von «Misserfolgen» deutlich geringer geworden ist.

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Nicht weiter überraschend ist, dass das Preisgeld von 25000 Fr. pro ausgezeichnetes Unternehmen längst nicht der Hauptnutzen sein kann. «Viel wichtiger ist die mit der Verleihung verbundene Steigerung des Bekanntheitsgrades», erklärt Peter Stähli, CEO des Swiss Economic Forum (SEF). Allein die Publizität, die ein Gewinner in den Medien erzielt, dürfte rund 1 Mio Fr. wert sein. Gewisse Firmen wie Thömus Veloshop wurden mit dem Award schlagartig bekannt. Auch die prämierte Iglu-Dorf GmbH war plötzlich ein touristisches Markenzeichen. Im letzten Winter standen die im Franchising-System betriebenen Hoteldörfer aus Schnee in sieben Destinationen in den Alpen und in den Pyrenäen.

Kein Geheimnis ist, wie Stähli betont, dass mit dem Preis einem Jungunternehmen manches leichter fällt. Etwa wenn es darum geht, qualifiziertes Personal zu rekrutieren, neue Kunden zu gewinnen, weite- res Wachstum zu finanzieren oder einfach «nur» Erfolg zu haben. (ps)

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