FLUGHAFEN ZÜRICH. Beim Abräumen von Awards ist der Zürcher Flughafen internationale Spitze. Soeben wurde er zum vierten Mal in Folge mit dem World Travel Award als Europas führender Airport ausgezeichnet. Awards alleine machen indes noch keinen erfolgreichen Flughafen. Entscheidender sind die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ein restriktives Betriebskonzept mit langer Nachtflugsperre erschwert es Unique, seine Funktion als Drehkreuz aufrechtzuerhalten. Die Plafonierungsinitiative, über die im kommenden November im Kanton Zürich abgestimmt wird, würde die Flugbewegungen zusätzlich einschränken.

Für Unique-CEO Josef Felder ist der Hub Zürich dennoch nicht gefährdet. «Der Betrieb eines internationalen Drehkreuzes ist keine Frage von Anzahl Passagieren, Flugbewegungen oder Fluggesellschaften. Es geht primär um die Verknüpfung von Kurz-, Mittel- und Langstreckenflügen.» Damit Unique ein Drehkreuz bleibt, brauche es keine Zielgrösse, sondern eine starke Airline, die diese Dienstleistungen garantiere.

Langstreckenangebot ausbauen

Auf diesen potenten Partner kann Unique mit der Swiss zählen. Die nationale Fluggesellschaft stärkt das Drehkreuz Zürich, sie lanciert im November Direktflüge nach Delhi und im Sommerflugplan 2008 nach Schanghai. Zwei Destinationen, die für die Hub-Funktion in Zürich von Bedeutung sind. Mit einem weiteren Milliarden Franken hohen Investitionsprogramm will Swiss ihr Langstreckenangebot ab Zürich ausbauen.Trotzdem kann sich Unique nicht nur auf die Dienste der Schweizer Airline verlassen, weil ein gewisses Klumpenrisiko besteht. Das Aviation-Marketingteam der Flughafenbetreiberin ist deshalb ständig in Gesprächen mit potenziellen Neukunden aus dem Ausland. Der Fokus richtet sich dabei auf weitere Direktverbindungen nach Asien und Indien. Für Flüge nach Bangalore wird mit der indischen Jet Airways verhandelt. Kandidaten für neue Strecken nach China sind Air China oder die chinesische Billigfluglinie Oasis. Unique will bei den ausländischen Airlines vor allem mit einem starken Kernmarkt Zürich sowie den modernen Infrastrukturen am Flughafen punkten. Die Zahl der Anfragen von ausländischen Airlines hat zugenommen. «Konkrete Neuigkeiten gibt es im Moment nicht», heisst es bei Unique. Subventioniert werden die Verluste im Fluggeschäft mit dem Kommerzbereich am Flughafen. Rund 60% des Gesamtumsatzes erzielt Unique mit Aktivitäten ausserhalb des Flugbereichs wie Shopping, Events usw. Hier ist Unique top, was ein weiterer Preis belegt. Der Flughafen Zürich erhielt jüngst einen Award für den besten Service an europäischen Flughäfen.

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NACHGEFRAGT

Der Chef von Unique

fordert für den Flughafen Zürich ein konkurrenzfähiges Betriebskonzept und geringere Kosten. Nur so könne man mit der Konkurrenz mithalten.

Drehkreuze wie München, Frankfurt, Mailand oder Paris wachsen rasch. Welche Voraussetzungen braucht der Flughafen Zürich, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können?

Josef Felder:

Damit sich der Flughafen Zürich nachfrageorientiert entwickeln kann, brauchen wir konkurrenzfähige Rahmenbedingungen. Das heisst: Unser Land braucht Wirtschaftswachstum, damit wir im Wettbewerb mit unseren Konkurrenzflughäfen mithalten können. Ein starkes Wirtschaftswachstum ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Hub. Dazu brauchen wir in Zürich auch konkurrenzfähige Kosten.

Probleme machen unter anderem die eingeschränkten Betriebszeiten.

Felder: Ja, wir brauchen in Zürich unbedingt Betriebszeiten, die konkurrenzfähig sind. Zürich gehört in Europa heute schon zu den Flughäfen mit den strengs-ten Nachtflugverbots-Regelungen. Um einen Taktflugplan, wie er für ein Drehkreuz üblich ist, anbieten zu können, brauchen wir eine entsprechende Stundenkapazität.

Kann Unique wegen dieser Missstände das Fluggeschäft nicht kostendeckend betreiben?

Felder: Das Aviation-Geschäft wurde bis anhin noch nie kostendeckend betrieben, unabhängig von der Betreibergesellschaft. Die Flugbetriebs- und Unterhaltsflächen, welche einen grossen Teil eines Flughafens ausmachen, verfügen über gar keine oder nur marginale Kommerzflächen. Das ist an anderen Flughäfen genau- so. Mittelfristig und im Zuge der Kostentransparenz ist es aber unser Ziel, das Aviation-Geschäft am Flughafen Zürich kostendeckend zu betreiben.