Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber wird in diesem Jahr schwarze Zahlen sehen - aber wahrscheinlich nur bei seiner Lieblingstochter Swiss. Sie ist die einzige Airline, welche heuer einen Gewinn ausweisen wird. Swiss-Chef Harry Hohmeister ist denn auch bester Laune. «Wir sind profitabel», bestätigt er am Rande einer Medienkonferenz gegenüber der «Handelszeitung». «Das 3. Quartal ist positiv, und so sollte es auch für das Gesamtjahr aussehen.» Es zeige sich gerade jetzt, wie sich strikte Nachhaltigkeit auszahle. «Swiss ist heute kein Papiertiger mehr, Swiss ist ein richtiger Tiger.» Deren Stärken seien straffe Overheadkosten und deutliche Effizienz.

Gerade weil Swiss die Krise gut bewältigt, warnt Hohmeister seine Angestellten vor Übermut. «Wir müssen uns weiter auf Nachhaltigkeit konzentrieren. Denn ehrlich gesagt, ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels. Man kann nicht sagen, dass diese Krise bewältigt ist.» Er kümmere sich auch nicht mehr um die Krise im Speziellen, «sondern darum, wie viel wir bei der Ausgabenseite weiter reduzieren können». Generell gebe es keinen Grund für die Swiss, ihre Firmenphilosophie zu ändern. «Aber bei der Ausgabenpolitik muss Swiss im nächsten Jahr noch besser werden als heuer.»

«Kein Gefühl für 2010»

Obwohl die Flieger voll sind, sind die Erträge schlecht. Die Krise habe weichenstellenden Charakter, strukturelle Veränderungen kommen auf die Branche zu. «Swiss muss sich stärker an Marktveränderungen anpassen. Für 2010 habe ich kein Gefühl, an dem man sich orientieren kann, um eine seriöse Voraussage zu machen», sagt Hohmeister. Die Luftfahrt werde schon bald völlig anders aussehen als noch vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Dennoch seien bei Swiss Kündigungen kein Thema. «Wir haben dieses Jahr sogar 400 Leute eingestellt», betont Hohmeister. Nach wie vor bleibt Kurzarbeit für 100 Mitarbeiter bei der Sparte Cargo aufrecht. Massnahmen wie der Abbau von Überstunden, unbezahlte Ferien und so weiter haben einen wesentlichen Beitrag zur Absicherung des Geschäfts geleistet.

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Neue Strecken in Asien

2010 werden weitere Expansionsschritte entschieden. «Wir denken über neue Ziele nach, etwa im chinesischen sowie im indi-schen Raum», erklärt Hohmeister. Was der Swiss-Chef meint: Im nächsten Jahr könnten Destinationen wie Peking oder neben dem bereits angeflogenen Mumbai und Delhi eine weitere indische Destination dazukommen. In Frage kommen Bangalore, Kalutta oder Madras.

Dank des neuen Star-Alliance-Mitgliedes Continental Airlines dürften sich auch zusätzliche Möglichkeiten auf den Nordatlantik-Routen ergeben. Entscheidend sei, wie es mit der globalen Wirtschaft aussehe und ob neue Ziele der knallhar-ten Swiss-Kalkulation standhalten.

Die Service-Philosophie wird aber nicht geändert. Während andere Fluglinien nachdenken, zusätzliche Erträge etwa durch Gepäck- oder Kreditkartengebühren zu erreichen, setzt Hohmeister auf «All-Inclusive-Tarife». «Es fällt mir schwer, von unseren Kunden etwa 15 Fr. zu verlangen, um den Koffer aufzugeben. Wir haben keinen Grund, unsere Politik zu ändern und sind damit sehr zufrieden, aber wir müssen diese weiterentwickeln.»

Mehr zu kämpfen hat dagegen Lufthansa. Man bemühe sich mit aller Kraft, heuer ein positives Ergebnis zu erreichen, sagte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber in New York. Das Lufthansa-Konzernergebnis lag im 3. Quartal 2009 bei minus 32 Mio Euro.

Branche mit riesigem Verlust

Im Vergleich zu anderen Airlines hat sich die deutsche Fluglinie ganz gut geschlagen, schnell auf Rückgänge reagiert. Doch die jetzige Krise ist anhaltender. Der Luftfahrtverband IATA rechnet in diesem Jahr für die Airline-Branche mit einem Verlust von mindestens 11 Mrd Dollar. Daher wirken klassische Steuerungsmethoden nur mehr gedämpft. Trotz dieser widrigen Umstände will Lufthansa an einem positiven Ergebnis festhalten. Tägliche Kapazitätsanpassungen, Ausmusterung von unwirtschaftlichen 50-sitzigen Regionalflugzeugen, Reduzierung der Personalstückkosten um 10% und vieles mehr sollen dabei helfen.

Sorgenfalten bereiten Mayrhuber auch einige Lufthansa-Tochtergesellschaften: Die kürzlich zugekaufte Austrian Airlines hat drastische Restrukturierungsmassnahmen eingeleitet, um die Krise zu überstehen. Die britische BMI will Ende des Monats ein umfangreiches Sanierungsprogramm vorstellen.