Die Fluggesellschaft Swiss hat im dritten Quartal den gestiegenen Ölpreis zu spüren bekommen. Obwohl der Umsatz zunahm, weist die Lufthansa-Tochter ein tieferes operatives Ergebnis aus. Nun will das Unternehmen stärker sparen.

Der Umsatz stieg um 6 Prozent auf 1,44 Milliarden Franken, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Das operative Ergebnis verringerte sich hingegen um 10 Prozent auf 234 Millionen.

Zurückzuführen sei dieser Rückgang unter anderem auf den weiteren Anstieg des Ölpreises. Als zusätzlichen Grund nannte das Unternehmen Einmaleffekte, die sich positiv auf die Vorjahreszahlen ausgewirkt hätten. Konkret wurden im Vorjahreszeitraum Rückstellungen aufgelöst.

Modernere Flugzeuge

In den gesamten ersten drei Quartalen 2018 nahm der Umsatz um 8 Prozent auf 4,02 Milliarden zu, der operative Gewinn sogar um 24 Prozent auf 564 Millionen. In der gesamten Zeitperiode sei der Anstieg des Ölpreises noch durch Absicherungsgeschäfte deutlich abgefedert worden, wurde betont.

Anzeige

Positiv zu Buche geschlagen habe zudem die Verbesserung der Kostenstruktur dank modernerer Flugzeuge, die weniger Treibstoff verbrauchen. Die Umstellung auf neue Flugzeuge ist laut den Angaben weit fortgeschritten. So wurden im laufenden Jahr zwei Langstreckenmaschinen des Typs Boeing-777 und zehn neue Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeuge (C-Series) in die Flotte aufgenommen.

Abgeschlossen ist die Erneuerung allerdings noch nicht. 2020 sollen zwei zusätzliche Boeing-777 dazukommen, hiess es weiter. Zudem kündigte Swiss kürzlich an, zehn Flugzeuge der neusten Aibus-A320-neo-Familie zu bestellen.

Tiefere Kosten

Swiss-CEO Thomas Klühr macht der gestiegene Ölpreis nun aber Sorgen. Mit Blick nach vorne werde «ein konsequentes Kostenmanagement von allergrösster Wichtigkeit sein», liess er sich in der Mitteilung zitieren. Denn die positiven Absicherungseffekte beim Kerosinpreis würden nun immer schwächer.

Eine Swiss-Sprecherin wollte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AWP nicht ausführen, ob damit die Lohnverhandlungen angesprochen seien oder sogar ein Stellenabbau gemeint sei. Die Swiss wolle «in sämtlichen Unternehmensbereichen so kosteneffizient wie möglich agieren», sagte sie bloss. Dies reiche von der Optimierung des Treibstoffmanagements und der Netzwerkplanung bis hin zu einer Verbesserung durch Prozessoptimierungen.

Lufthansa mit Gewinnrückgang

Gleichwohl geht die Swiss wegen der guten Neun-Monatszahlen davon aus, dass im Gesamtjahr ein operatives Ergebnis über dem Vorjahresniveau möglich sein wird.

Die gesamte Lufthansa-Gruppe steigerte im dritten Quartal den Umsatz um 1,5 Prozent auf 9,96 Milliarden Euro. Der operative Gewinn ging auch wegen Sonderkosten für die Integration grosser Teile der insolventen Air Berlin und der vielen Verspätungen und Flugausfälle im Sommer um 11 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zurück. Der Reingewinn sank in der Folge um zehn Prozent auf 1,07 Milliarden Euro.

Anzeige

Analysten hatten mit etwas höheren Ergebnissen gerechnet. Im Sommer 2019 will die Lufthansa nun ihr Flugangebot nur noch halb so stark ausweiten wie im laufenden Jahr.

Lufthansa zu «kommerzieller» Partnerschaft bei Alitalia bereit

Die Lufthansa wäre Vorstandschef Carsten Spohr zufolge bereit, gemeinsam mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen neuer Eigentümer der insolventen Fluggesellschaft Alitalia zu werden. «Eine Investition mit dem italienischen Staat kommt für uns nicht infrage. Eine Partnerschaft kommerzieller Natur können wir uns vorstellen», sagte Spohr am Dienstag in einer Telefonkonferenz.

«Das ist eines der Themen der kommenden Monate.» Eine Bieterrunde für Alitalia läuft noch bis Mittwoch. Einem Insider zufolge will der staatliche Bahnkonzern Ferrovie dello Stato (FS) ein Gebot abgeben, sucht aber einen industriellen Partner. Zum möglichen Gebot von FS äusserte sich Spohr nicht.

Anzeige

Der Lufthansa-Chef erwartet so wie andere grosse Airlines, dass der steigende Treibstoffpreis zu weiteren Insolvenzen kleiner Gesellschaften führen und die Branchenkonsolidierung antreiben wird. «Die Starken werden stärker, die Schwachen werden schwächer», sagte Spohr.

Zur Zukunft des Billigfliegers Norwegian Air Shuttle, schon lange als Übernahmekandidat gehandelt, wollte er nicht konkret Stellung nehmen. Er bekräftigte lediglich der Dax-Konzern stehe mit anderen Airlines in Kontakt und wolle eine aktive Rolle bei der Konsolidierung spielen.

(awp/reuters/tdr/bsh)