Swiss Life will das unrühmliche Kapitel AWD möglichst schnell schliessen. Ein globaler Vergleich mit klagenden AWD-Kunden wie in Österreich ist nach Ansicht von Swiss-Life-Chef Bruno Pfister in Deutschland aus rechtlichen Gründen aber nicht möglich. Gespräche mit Gruppen von Sparern, die sich von AWD falsch beraten fühlen und deshalb Klagen eingereicht haben, schloss der Konzernchef aber nicht aus.

«Wenn einige Parteien zusammengehen und dann Verhandlungen anbieten, wären wir dazu bereit», sagte Pfister in einer Konferenz mit Analysten zum Halbjahresbericht.

In Österreich schloss der Versicherer, der AWD 2008 übernahm, Anfang der Woche einen aussergerichtlichen Vergleich mit dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) und zahlte 11,1 Millionen Euro. Der VKI hatte die Ansprüche von österreichischen Sparern von rund 40 Millionen Euro übernommen und gegen Swiss Life eine Art «Sammelklage» eingereicht, die im kommenden Monat verhandelt werden sollte.

«Eine Lösung finden»

In Deutschland sei die Ausgangslage wegen der vielen Kläger und der rechtlichen Verfahren anders als in Österreich, sagte Pfister. Unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Sachverhalten seien in die rechtlichen Auseinandersetzungen involviert. Es gebe keine Möglichkeit für einen umfassenden Vergleich. «Die Sache wird uns wohl noch einige Zeit beschäftigen», sagte Pfister. Die Zahl der Kläger liegt nach Swiss-Life-Angaben bei einigen tausend. In Österreich waren es 2500.

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Im Hinblick auf Einzelfälle zeigte sich Pfister kompromissbereit. Den Vorwurf der systematischen Falschberatung durch AWD-Vertreter weise Swiss Life zurück. Aber jeder Einzelfall werde wie schon in der Vergangenheit genau geprüft. «Wenn wir sehen, dass Klagen berechtigt sind, werden wir eine Lösung finden», sagte Pfister.

Der Kauf von AWD für 1,2 Milliarden Euro erwies sich für Swiss Life als ein Schlag ins Wasser. Im letzten Jahr schrieb der Schweizer Konzern fast 600 Millionen Franken auf den Unternehmenswert von AWD ab. Der Name verschwand von der Bildfläche, das Geschäft wird nun unter der Marke Swiss Life Select geführt. Auch AWD-Mitarbeiter hatten sich laut Pfister für den Namenswechsel ausgesprochen.

(tno/reuters)