Der Lebensversicherungskonzern Swiss Life hat im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch erlitten. Das Unternehmen verdiente 93 Millionen Franken. Im Jahr 2011 hatte der Gewinn 606 Millionen Franken betragen.

Der Grund für den Rückgang ist eine happige Korrektur des immateriellen Vermögenswerts der Finanzproduktetochter AWD um 578 Millionen Franken, die Swiss Life im letzten November vorgenommen hatte.

Swiss Life hat eingestanden, für den AWD im Jahr 2007 einen zu hohen Preis bezahlt zu haben. Der in Deutschland beheimatete AWD heisst inzwischen «Swiss Life Select».

Wie bereits am Investorentag im November angekündigt, hat der Lebensversicherer auf dem Goodwill des im Jahr 2007 übernommenen deutschen Finanzdienstleisters AWD einen hohen Abschreiber von 578 Millionen vorgenommen und zudem im Rahmen des Strategiesprogramms 'Swiss Life 2015' Restrukturierungskosten verbucht.

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Vor Sonderkosten belief sich der Betriebsgewinn auf 993 Millionen Franken nach bereinigten 788 Millionen im Jahr 2011. Das Geschäftsvolumen, bestehend aus Bruttoprämien, Policengebühren und erhaltene Einlagen blieb mit 17 Milliarden leicht unter Vorjahresniveau, wie die Swiss Life in einer Mitteilung schreibt.

Das Eigenkapital stieg um 12 Prozent auf 10,3 Milliarden und die Aktionäre sollen - wie angekündigt - erneut in den Genuss einer Dividende von 4,5 Franken je Aktie kommen. Die Solvabilitätsquote der Gruppe stieg von 213 Prozent auf 242 Prozent. Beim Swiss Solvency Test (SST) befindet sich Swiss Life basierend auf ihrem internen Modell im 'grünen Bereich'.

Mit den Kennzahlen zum Jahr 2012 hat die Swiss Life die Marktvorgaben übertroffen. Analysten hatten im Durchschnitt (AWP-Konsens) mit einem Reingewinn von 49 Millionen Franken, einem Betriebsgewinn vor Sonderkosten von 871 Millionen und einem Eigenkapital von 9,85 Milliarden gerechnet. Im November stellte das Management einen Gewinn im zweistelligen Millionenbereich, einen Betriebsgewinn von über 850 Millionen Franken sowie eine Dividende von 4,5 Franken je Titel in Aussicht.

Swiss Life sei es gelungen, ihre Schlagkraft weiter zu erhöhen, wird CEO Bruno Pfister zitiert. «Dazu beigetragen haben ein hervorragendes Anlageergebnis und weitere operative Fortschritte.» Die Anlageperformance steigerte die Swiss Life auf 8,5 Prozent nach zuvor 7,5 Prozent. Dabei resultierte eine Anlageergebnis von 5,7 Milliarden Franken - das sind 1,5 Milliarden mehr als im Vorjahr - und eine Nettoanlagerendite von 4,8 Prozent (3,8 Prozent).

Swiss Life verfüge über eine starke Ausgangsbasis, um die Marktstellung in den kommenden Jahren weiter auszubauen, so Pfister. An den am Investorentag kommunizierten mittelfristigen Zielen hält die Swiss Life fest. Der Konzern strebt die Reduktion der Kostenbasis um 130 bis 160 Millionen Franken an. Damit verbunden seien Restrukturierungskosten von 80 bis 100 Millionen. Die Eigenkapitalrendite soll um unrealisierte Kapitalgewinne bereinigt künftig zwischen 8 und 10 Prozent liegen. Im Jahr 2012 lag dieser Wert bei 8,6 Prozent.

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Aktien von Swiss Life stark nachgefragt

Ein besser als erwartet ausgefallenes Jahresergebnis und ihre bisher tiefe Bewertung haben den Aktien von Swiss Life viele Käufer beschert. Die Titel des Lebensversicherers notierten am Mittwochmorgen bis 7,1 Prozent über dem Schlusswert des Vortages.

Kurz vor 10.45 Uhr lagen sie 5,6 Prozent im Plus, derweil der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Perfromance Index (SPI) leicht schwächelte. Bereits eine Stunde nach Handelsstart waren mehr Aktien von Swiss Life gehandelt worden als an einem üblichen Handelstag.

Swiss Life verzeichnete für 2012 zwar wegen des mehr als eine halbe Milliarde Franken teuren Schlussstrichs unter das Kapitel AWD einen Gewinneinbruch. Der Konzern schnitt aber besser ab als von den Analysten allgemein erwartet. Nach deren Meinung scheint zudem das Risiko eines weiteren Goodwill-Abschreibers auf dem 2007 übernommenen Finanzprodukteverkäufers AWD nun gering.

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(chb/tke/sda/awp)