PETER FORSTMOSER . Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse will mit Empfehlungen zur Entschädigung des VR und des obersten Managements strengere gesetzliche Bestimmungen verhindern. Was halten Sie davon?

Peter Forstmoser:

Ich begrüsse sie und finde es sinnvoll, dass man die Selbstregulierung stärkt, statt neue Gesetze zu schaffen. Die Diskussion um die Spitzensaläre dreht sich um einige wenige Firmen und Personen. Es würde wenig Sinn machen, dafür weitere Gesetze zu erlassen.

Allerdings sind die Spitzensaläre für weite Teile der Bevölkerung ein Ärgernis.

Forstmoser: Ich verstehe, dass sich viele Leute über goldene Fallschirme für Manager ärgern. Diese sind in der Tat unnötig und können als Leistungsanreiz mehr schaden als nützen. Aber letztlich sind die hohen Gehälter weniger ein aktienrechtliches als ein gesellschaftliches Problem.

Auch unter Aktionären macht sich Unmut über zweistellige Millionenbezüge breit.

Forstmoser: Das stimmt, aber man sollte die Grössenordnungen beachten. Ich habe mir bei einer Reihe von Unternehmen angeschaut, wie viel Geschäftsleitung und Verwaltungsrat insgesamt kosten. Bei den meisten Firmen liegt die Grössenordnung bei 1 bis 2% des Reingewinns. Daher ist die Salärfrage für den Investor eigentlich nicht besonders wichtig. Aber sie ist ein eminentes gesellschaftspolitisches Problem.

Und wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Forstmoser: Wir müssen die Vergütungen so gut wie möglich an effektive und messbare Leistungen knüpfen. Forbo-Chef This Schneider, der die Leitung des Unternehmens in einer schwierigen Situation übernommen hat, lässt sich seinen Lohn vollumfänglich in gesperrten Aktien auszahlen. Wenn er in einigen Jahren ein steinreicher Mann ist, wird ihm dies jedermann gönnen.

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Könnten Sie sich denn vorstellen, als VR-Präsident der Swiss Re ebenfalls ausschliesslich in Aktien bezahlt zu werden?

Forstmoser: Ja, soweit ich nicht Bargeld für meinen Lebensunterhalt brauche. Durch die Kompensation in Aktien erreicht man, dass der persönliche finanzielle Erfolg von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung mit dem der Aktionäre übereinstimmt. Das Problem ist aber, dass ein Verwaltungsrat vielleicht gerade in einer Krise Besonderes leistet, obschon sich dies nicht in steigenden Aktienkursen niederschlägt. Und umgekehrt steigt der Aktienkurs allenfalls aus Gründen, für die er nichts kann. Dies muss man bei Kompensationsmodellen berücksichtigen.

In der Praxis sind wir in der Schweiz aber noch weit davon entfernt, dass sich ein solches Vergütungsmodell durchsetzt.

Forstmoser: Das stimmt. Ich vermute, dass die Top-Saläre weiter steigen werden. Um die besten Talente herrscht ein scharfer internationaler Wettbewerb, dem sich ein einzelnes Unternehmen nicht entziehen kann. Gesetzliche Begrenzungen wären hier fehl am Platz. Was man aber tun kann, ist Transparenz schaffen.

Das will auch der Entwurf von Bundesrat Blocher im Rahmen der Revision des Aktienrechts. Sind Sie mit den Vorschlägen Blochers einverstanden?

Forstmoser: Bei den Publikumsgesellschaften ist die Transparenz schon heute gross. Ich habe nichts dagegen, dass für Aktiengesellschaften in Privatbesitz analoge Regeln aufgestellt werden. Man muss aber aufpassen, dass nicht diese Einzelfrage die Generalversammlungen dominiert. Es gibt andere Themen, die für den Erfolg eines Unternehmens und damit auch für die Investoren wichtiger sind. So sollten wir an den Generalversammlungen mehr über Forschung und Entwicklung sprechen.

Einige Investoren schätzen die Anonymität, insbesondere wenn sie grössere Beteiligungen aufbauen.

Forstmoser: Auch da braucht es mehr Transparenz. Es geht nicht an, dass sich Leute heimlich an Firmen heranschleichen. Dies umso weniger, als die Schweizer Publikumsgesellschaften fast durchwegs ihre Schutzwälle gegen feindliche Übernahmen abgebaut haben.

Die Meldepflichten für Beteiligungen werden von 5% auf 3% gesenkt: Genügt dies?

Forstmoser: Ja. Nicht die Schwelle für Meldepflichten, sondern die Umgehungsmöglichkeiten sind das Problem. Da muss man ansetzen. Ob die beschlossenen Verschärfungen reichen oder ob sich neue Lücken finden lassen, kann ich nicht voraussagen. Und weil dies so schwer voraussehbar ist, sollte die Regelung der Meldepflichten möglichst weitgehend auf Verordnungsstufe erfolgen. Neue Gesetze zu schaffen dauert viel zu lange. Wer eine Firma übernehmen will, soll mit offenem Visier kämpfen und gegebenenfalls auch ein Angebot an alle Aktionäre machen. Mehr wird man aber auch nicht verlangen dürfen.

Und da machen Sie keinen Unterschied, ob die Angreifer aus der Schweiz oder aus Österreich oder aus Russland kommen...

Forstmoser: Da dürfen wir keinen Unterschied machen. Schweizer investieren ja auch im Ausland und erwarten dabei überall Deregulierung und eine Öffnung der Märkte. Da können wir nicht selber Heimatschutz betreiben. Auch die Swiss Re hat mit der GE Insurance Solutions ein grosses ausländisches Unternehmen gekauft, und sie tätigt regelmässig Übernahmen im Ausland.

... zum Beispiel in Grossbritannien: Welche Pläne haben Sie mit der Resolution?

Forstmoser: Swiss Re steht in Verhandlungen mit Standard Life PLC und zeigt Interesse für ausgewählte abgeschlossene Portfolios von Resolution.

Kommt eine gesamte Übernahme von Resolution in Frage?

Forstmoser: Nein, nur einzelne geschlossene Portfolios von Resolution.

Welche Ziele verfolgen Sie damit?

Forstmoster: Wir haben das Ziel, unser Admin-Re-Geschäft auszubauen.

Wie weit sind die Verhandlungen?

Forstmoser: Es bestehen noch keine Zusagen dafür. Wir prüfen die Details. Zum Preis können wir noch nichts sagen.

Die Akquistionsgerüchte haben den Swiss-Re-Kurs belastet. Zusätzlich gerät der Konzern immer in Verbindung mit Katastrophen in die Schlagzeilen. Führt dieses Katastrophen-Image ungerechtfertigterweise zu einem Malus beim Aktienkurs?

Forstmoser: Derzeit sind wir – das bestä-tigen uns Analysten – klar zu tief bewertet.Wir haben sehr viel unternommen, um starke Schicksalsschläge abzufedern. Wir stehen ganz anders da als noch vor wenigen Jahren. Wir sind heute mehr als ein klassischer Rückversicherer. Wir bieten zusätzlich innovative Kapital-marktlösungen für unsere Kunden an. Ein Beispiel dafür sind die Katastrophenbonds.

Was erhoffen Sie sich für die Aktionäre?

Forstmoser: Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben gezeigt, dass die Nachfrage nach Rückversicherungsdeckungen zur Risikodiversifikation weiter ansteigen wird. Da haben wir ein riesiges Wachstumspotenzial.

Einige Finanzkonzerne erreichen Eigenkapitalrenditen von klar über 20%. Ist das Ihr Ziel?

Forstmoser: Langfristig müssen wir uns sicher in diese Richtung bewegen. In Zukunft wollen wir das traditionelle Rückversicherungsgeschäft verstärkt mit Einkommen aus dem Transfer von Risiken an den Kapitalmarkt und den Handel mit Risiken ergänzen.

Welche Trends lassen sich im Hinblick auf die Januar-Erneuerungsrunde für künftige Verträge für die Swiss Re erkennen?

Forstmoser: In gewissen Geschäftssparten werden die Preise fallen, so zum Beispiel im US-Sachgeschäft. Swiss Re wird ihre konsequente Zeichnungspolitik fortsetzen und das Kapital in die Sparten lenken, die besonders hohe Renditen erwirtschaften.

Welche Risiken geht die Swiss Re im Zusammenhang mit der ganzen US-Kreditkrise ein?

Forstmoser: Swiss Re hat eine sehr vorsichtige Haltung gegenüber dem Bereich der US-Subprime-Kredite, bedingt durch die historisch tiefen Margen. Investitionen im diesem Bereich sind bei Swiss Re sehr limitiert. Diese Position wurde erst gekauft, als dies bereits sehr günstig war.

Die Swiss Re hat also nachträglich eingekauft, als die Kreditpapiere bereits deutlich weniger wert waren?

Forstmoser: Ja, wir haben gekauft, als die Subprime-Papiere bereits tief bewertet waren.

Wie gross sind die Verpflichtungen der Swiss Re im Subprime-Bereich?

Forstmoser: Von einem Gesamtanlagebetrag von 190 Mrd Fr. sind ungefähr eine halbe Milliarde in Subprime investiert.

Es gibt bei der Swiss Re also keine negativen Folgen wegen der Subprime-Krise, sondern sogar Gewinne?

Forstmoser: Unser Verlustrisiko im Subprime-Bereich ist begrenzt. Wir wurden von den Finanzmärkten zu Unrecht in den gleichen Topf wie andere Finanzfirmen geworfen, die tatsächlich Verluste in den Büchern haben.

Wie beurteilen Sie über die Subprime-Krise hinaus die Aussichten für das laufende Jahr?

Forstmoser: Wir sind gut positioniert und werden weiterhin unsere Ressourcen auf jene Bereiche konzentrieren, in denen wir die attraktivsten Renditen erzielen können. Es gibt nichts, das uns gegenwärtig daran zweifeln lassen und den Abschlag auf unserer Aktie rechtfertigen würde. Das operative Geschäft läuft besser als man aufgrund der Aktienkursentwicklung meinen könnte.

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