Die Aktie von Swiss Re reagierte auf die Gerüchte zunächst mit einem starken Kursanstieg um bis zu 6 Prozent auf einen Tageshöchstwert von 86,55 Franken. Und die Aktien wurden bis um 12.30 Uhr schon bald dreimal so viel gehandelt wie an einem normalen Handelstag. Ein mögliches Interesse der Agnelli-Familie an Swiss Re wurde am Markt zwar mit Verwunderung aufgenommen, aber nicht gänzlich von der Hand gewiesen.

Finanzblog heizte Gerüchteküche an

Kurz vor Börsenstart waren über den Internet-Finanzblog Betaville Gerüchte in Umlauf gekommen, wonach die italienische Fiat-Eigentümerfamilie Agnelli den Kauf eines Aktienpakets der Swiss Re im Umfang von 20 Prozent plant. Gegen halb elf rang sich Swiss Re dann zu einem Dementi durch: Es gebe keine Gespräche mit der Agnelli-Familie oder einem ihrer Investmentvehikel über eine mögliche Beteiligung, hiess es in einem kurzen Communiqué.

Die Beteiligungsgesellschaft der Agnellis, Exor, stritt auch ein Interesse ihrerseits ab: Dass keine Gespräche liefen, beinhalte dies natürlich, sagte ein Exor-Sprecher auf AWP-Anfrage.

Auf dem Internetforum, der sich auf «mit der Sache vertraute Quellen» stützt, hatte es geheissen, die Agnellis seien bereit einen Preis zwischen 95 und 100 Franken je Titel zu bezahlen. Die Agnelli-Familie sei bereits seit drei Monaten mit Swiss Re im Gespräch und plane ein Angebot an alle Aktionäre im Einverständnis mit Swiss Re, hiess es weiter.

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Händler bezeichnet Blog als Unseriös

Marktteilnehmer hatten schon vor dem Dementi vonseiten des Rückversicherers abgewunken. Ein Händler bezeichnete den Blog als «unseriös», anderen Marktteilnehmern war dieser zuvor gänzlich unbekannt. Das Einzige, was im Busch ist, sei die Dividende von 8,00 Franken, welche Mitte April ausgeschüttet werde, sagte ein anderer Händler. Mit einer regulären Dividenden-Schätzung von 5,00 Franken für 2014, weise die Rück-Aktie immer noch handelbares Haussepotenzial auf, weshalb gegenwärtig vor allem Deckungs- und Dividendenkäufe hinter der morgendlichen Kursavance der Rück-Aktien steckten.

Die Börse scheine die Gerüchte teilweise zu glauben, sagte ein Analyst der ZKB vor dem Dementi. Grundsätzlich sei es durchaus möglich, dass ein grösserer Aktionär Interesse an einem Unternehmen wie Swiss Re habe. Er könne sich aber keinen Reim auf die Geschichte machen, es müsse schon noch eine Logik dahinter stecken, wenn jemand 20 Prozent für einen Preis über dem Marktpreis kaufen möchte, die er nicht sehe. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man auch nicht auf einen schnellen Gewinn spekulieren. Die Verhältnisse bei Swiss Re seien gut: Der Rückversicherer habe gute Resultate vorgelegt, Restrukturierungen seien schon vor ein paar Jahren abgeschlossen worden.

Agnellis womöglich an Investition von bis zu 4 Milliarden interessiert

Ein Gesamtbetrag von bis zu 8 Milliarden sei relativ viel, sagte ein weiterer Händler, auch für die Agnelli-Familie. Ein Anstieg des Aktienkurses sei «aber mehr oder weniger berechtigt» mit der anstehenden Ausschüttung am 15. April. Im Allgemeinen seien Schweizer Versicherungen sehr attraktiv - überkapitalisiert und mit hohen Dividenden. Auch bei einem Aktienkurs von 95 Franken würde er die Titel halten.

Den Agnellis stünden «immense Mittel» zur Verfügung, sagte der zweite Händler weiter. Seiner Einschätzung nach sucht die Investoren-Familie tatsächlich etwas eher in der Grössenordnung von 3-4 Milliarden in der Schweiz.

(awp/tke)