Der Schweizer Rückversicherer Swiss Re schlittert immer tiefer in die Krise.

Neben der Kreditkrise und Milliardenschäden wird nun auch die Inflation für Swiss Re zunehmend zum Problem. Eine von der Ratingagentur Standard & Poor?s angelegte Studie hat ergeben, dass die höhere Inflation mittelfristig eine der grössten Bedrohungen für die Finanzstärke der Rückversicherer sein wird.

Es dürfte den Firmen nicht gelingen, ihre Preise schnell genug den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Umso grösser ist die Problematik, da die Branche seit Jahren mit einem Prämienzerfall von rund 10% pro Jahr zu kämpfen hat.

Nun soll die Vertragsverhandlungen vom 1. Januar 2009 wieder für mehr Einnahmen sorgen. So fordert Swiss Re an der Branchenkonferenz in Monte Carlo, dass die sogenannte Indexklausel zwischen Erst- und Rückversicherern in Europa angepasst und in den USA eingeführt wird. Damit soll eine faire Verteilung des Inflationsrisikos zwischen den Vertragsparteien gewährleistet werden. Konkurrentin Münchner Rück will bei bestimmten Verträgen neu einen Zuschlag von 30% verlangen.

Prämienzerfall kaum aufzuhalten

Neben den höheren Schadenszahlungen argumentieren die Rückversicherer vor allem mit dem Abschluss von nicht-proportionalen Verträgen. Dabei zahlt der Erstversicherer Schadensaufwendungen bis zu einer gewissen Summe. Was darüber hinausläuft, geht zulasten der jeweiligen Rückversicherung.

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Ein gutes Beispiel liefert die Asbest-Problematik. Am meisten Asbest wurde in den 1970er Jahren verwendet. Da die Inkubationszeit mehrere Jahrzehnte dauern kann, sorgt die Teuerung für eine höhere Schadensbelastung, als dass im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses angenommen wurde. Sowohl Swiss Re als auch die Münchener Rück befinden sich bereits in Verhandlung mit ihren Kunden.

Allerdings stehen die Erstversicherer den beantragten Vertragsanpassungen erst mal abwartend gegenüber. «In Monte Carlo gehören solche Forderungen quasi zur Tradition. Ob sie dann auch umgesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt», sagt Olivier Michel, Mediensprecher bei Axa Winterthur. Damit spitzt sich vor allem bei Swiss Re der Verdacht zu, dass der Vorstoss in erster Linie als Versuch dient, um die an den Kapitalmärkten eingefahrenen Verluste künftig decken zu können.

Angesichts des hart umkämpften Versicherungsmarktes wäre eine Preiserhöhung stark wettbewerbsschädigend. Möglich ist es, dass es bei den anstehenden Verhandlungen zu einer Eindämmung des Prämienzerfalls kommen wird. Das dürfte aber auch im nächsten Jahr bei den Einnahmen für keine Trendwende sorgen.

Wankende AIG bereitet Sorgen

Neben den Sorgen um Swiss Re sorgen sich die Märkte derzeit um die grösste Versicherung, der American International Group AIG. So hat sich auch AIG in US-Anlagen engagiert und sich dabei massiv die Finger verbrannt. Davon unberührt bleibt aber die Tochtergesellschaft AIG Private Bank. Diese untersteht als Schweizer Bank den Richtlinien der Eidgenössischen Bankenkommission (EBK). «Und wir besitzen keine riskanten Anlage im amerikanischen Immobilienmarkt», sagt Eudardo Leemann, CEO AIG Private Bank. Entsprechend bleibt auch die von Sarasin und AIG Private Bank gemeinsam gegründete Online-Bank Zweiplus von den aktuellen Turbulenzen weitgehend verschont. In Anbetracht der misslichen Lage der AIG-Versicherung stellt sich die Frage, ob es Swiss Re nun tatsächlich gelungen ist ihre Bücher von jeglichen faulen Anlagen zu säubern. «Ich denke eher nicht», sagt Fabrizio Croce, Analyst bei der Landsbanki Kepler. Der Grund liegt vor allem darin, dass das Management in der Vergangenheit fast jede Anlageklasse bis ans Limit ausreizte. «Und gewisse Schulden lassen sich nicht absichern», so Croce.

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Der Kampf um Martkanteile weitet sich auf ein neues Schlachtfeld aus

Der Prämienzerfall sorgt bei den Erstversicherern für Kreativität. Im Wettlauf um Marktanteile weiten sie ihr Schlachtfeld auf den Vertrieb aus. Mit einer sogenannten Multi-Kanal-Strategie wird der klassische Vertriebsweg über Versicherungsberater mit weiteren innovativen Absatzkanälen ergänzt. «Das ermöglicht dem Versicherer, einzelne Kunden besser zu erreichen», sagt Roland Rykart, Leiter Vertrieb bei Allianz Suisse. So werden im Nicht-Leben-Bereich Versicherungen über das Internet verkauft. Jüngstes Beispiel ist die Internetplattform Allianz24.ch. Bei den verkauften Produkten handelt es sich hauptsächlich um standardisierte Versicherungen, etwa für Motorfahrzeuge. Allgemein wird für den Internetvertrieb eine Wachstumsrate von 15 bis 16% pro Jahr prognostiziert.

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Während sich im Nicht-Leben-Bereich mit der Lancierung von alternativen Distributionswegen der Druck auf den Aussendienst erhöht, entsteht im Bereich Lebensversicherungen ein beratungsintensiver Wachstumsmarkt.

Dazu führen verschiedene Aspekte, wie Steuern und mangelndes Vertrauen in die staatliche Vorsorge. Die Nachfrage nach einer umfassenden Finanzberatung steigt, wovon vor allem unabhängige Finanzberater profitieren.

Zu diesem Zweck gliedern mehrere Schweizer Versicherungen unabhängige Finanzdienstleister in ihr Konzern ein. Vor allem deutsche Firmen sind aufgrund des grossen Marktpotenzials besonders interessant. So hat Swiss Life zu Jahresbeginn den Finanzberater AWD für 1,9 Mrd Fr. unter ihre Fittiche genommen. Und Generali kooperiert mit dem Finanzvertrieb und -dienstleister DVAG, währenddessen sich Bâloise an der Objektiven Vermögensberatung (OVB) beteiligt und Zurich Financial Services die Mehrheit an Bonnfinanz hält. Wie bei den alternativen Vertriebswegen wird das Management der einzelnen Versicherungen auch hier durch herausragenden Wachstumsraten bestätigt. Beispielsweise lag das Umsatzwachstum der Generali-Beteiligung DVAG im Jahr 2007 bei 15%. Und auch der Gewinn wuchs zweistellig.

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Durch die Erschliessung von kostengünstigeren Vertriebskanälen lassen sich die Vertriebskosten senken und damit die Wirtschaftlichkeit erhöhen. Klar ist aber, dass aufgrund der Komplexität der Produkte der Aussendienst auch in Zukunft als wichtigstes Vertriebsinstrument dienen wird. (mw)