Seit Donnerstag können sich Unternehmen in Deutschland bei Swiss Re gegen Netzkriminalität versichern. Swiss Re Corporate Solutions nennt sein neues Produkt «CyberSolutions Germany». Mit diesem Schritt verstärkt der Versicherer sein Standbein im Wachstumsmarkt der Internetkriminalität.

Für die Schweiz gibt es bisher kein eigenständiges Angebot, so die Swiss Re auf Anfrage von handelszeitung.ch. Kurz- bis mittelfristig sei dies aber in der Planung.

Digitalisierung als Gefahr

Für das deutsche Produkt spannt Swiss Re mit IBM zusammen. Ein wichtiger Bestandteil des Angebots ist die Prävention. Hier kommen die Experten zum Zug: Zu den vorbeugenden Massnahmen gehören Cyber Security Training und jährliche, optionale IT-Sicherheitstests.

Auch Angebote der Konkurrenz verbinden Prävention und Wiederherstellungskosten mit Unterstützung in Krisensituationen und ähnlichem. Mit Schadenersatz allein ist es bei Cyber-Angriffen nicht getan. Die Policen richten sich an grosse und mittelständische Unternehmen. Doch auch Private können sich gegen Hackerangriffe versichern lassen. Allerdings werden solche Schäden zum Teil auch von der Haftpflicht- oder Hausratsversicherung gedeckt.

Der Bereich Cybercrime ist für Versicherungen ein relativ neuer Markt. Eine aktuelle Studie von IBM zeigt, fast die Hälfte der befragten Unternehmen schätzt die Gefahr der digitalen Vernetzung höher ein als andere Gefahren. 32 Prozent haben in den letzten drei Jahren bereits Schaden erlitten. In der Schweiz machten im März DDoS-Angriffe (Distributed Denial of Service) auf Onlineshops von Digitec oder Interdiscount Schlagzeilen. Während Stunden waren deren Webseiten nicht aufrufbar.

Immer mehr Angebote

Wegen der zunehmenden Digitalisierung ist davon auszugehen, dass auch das Risiko für kriminelle Angriffe noch zunimmt. Gross ist schon heute das Schadenspotenzial: 500 Milliarden Euro soll weltweit die Schadensumme pro Jahr betragen, so etwa die Schätzung des deutschen Versicherungsverbandes GDV. 2013 war Deutschland die Nummer eins im Bezug auf die Schadenssumme.

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Dort kam laut GDV 2011 die erste Cyberpolice auf den Markt. Inzwischen gibt es bereits 20 solche Angebote, in ganz Europa ungefähr 45. Den globalen Markt beziffert Inga Beale von Lloyds für das vergangene Jahr auf 2,5 Milliarden Dollar.

Eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom im Frühling hat gezeigt, dass sich trotz bestehender Risiken, grossen Schäden und wachsendem Angebot erst jedes zehnte Industrieunternehmen in Deutschland gegen Cybercrime versichert hat. Immerhin rund ein Drittel der Firmen plant oder diskutiert eine solche Versicherung.

Verachtfachung des Markts in Sicht

Diese Ergebnisse bestätigt eine Studie der Universität St. Gallen. Ihr zufolge hat sich das Feld schlechter als erwartet entwickelt, die Zukunftsaussichten seien aber positiv. Gemäss darin zitierten Schätzungen soll der Markt bis 2020 auf 7,5 Milliarden Dollar (PwC) und 20 Milliarden Dollar bis 2025 (Allianz Global Corporate & Specialty) anwachsen. Auch Swiss Re geht in den nächsten Jahren von überproportionalem Wachstum aus. Wie stark genau dieses ausfallen werde, hänge aber unter anderem von der rechtlichen Entwicklung ab.