Die europäischen Airlines versuchen sich derzeit im Spagat – so auch die Swiss. Einerseits stehen die traditionellen Fluggesellschaften für Komfort und Service, andererseits müssen sie im harten Preis-Wettkampf mit den Billiganbietern bestehen.

Mit dem neuen Strategieprogramm «Next Generation Airline» versucht die Swiss beides. Einerseits investiert sie rund fünf Milliarden Franken in Ausbau und Erneuerung der Flotte und erweitert ihr Streckennetz um 22 Destinationen in Europa. Gleichzeitig soll das Geschäft innert 24 Monaten profitabler werden – wie Swiss-CEO Harry Hohmeister anlässlich der Präsentation am Montag sagte.

«Swiss geht stärker in Richtung Tourismus»

Der neu eingeführte Punkt-zu-Punkt-Verkehr ab Zürich stellt dabei für Aviatikexperte Thomas Jäger den innovativen Teil der Strategie dar. «Mit dem Punkt-zu-Punkt-Verkehr von Zürich aus geht Swiss verstärkt in Richtung touristischer Verkehr», sagt der Geschäftsführer vom Brancheninformationsdienst CH-Aviation.

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Das ist zugleich eine bewusste Kampfansage an Etihad Regional: Swiss macht der Billigairline gleich auf drei Strecken Konkurrenz, Dresden, Leipzig und Genf-Lugano. «Das ist eine bewusste Verdrängungsstrategie der Swiss», so Jäger.

Etihad Regional – Prinzip Versuch und Irrtum

Thomas Jäger sieht hier langfristig Swiss am längeren Hebel. «Auch wenn die Angst vor der Konkurrenz durch arabische Airlines gross ist, kann die Swiss mit diesem Ansatz durchaus Erfolg haben», sagt der Experte. Etihad Regional hat schon mehrere Strecken wieder aufgegeben, wie zum Beispiel Genf-Belgrad oder Zürich-Turin. Die Airline verfahre hier nach dem Prinzip von Versuch und Irrtum.

Auf einem anderen Blatt steht, wie viel die Airline für diesen Sieg investieren muss – immerhin fährt das Europa-Geschäft derzeit ein Minus ein. «Es ist riskant, ins europäische Kurzstreckengeschäft zu investieren, dass bekanntlich Verluste schreibt», so Jäger.

Swiss folgt der Mutter Lufthansa

Swiss vollzieht mit ihrer Taktik nach, was Mutterkonzern Lufthansa vorgemacht hat: Die Airline bedient zentrale Hubs wie Frankfurt und München weiterhin, lagert aber das dezentrale Geschäft auf die Billigtochter Germanwings aus. Experte Jäger sieht in diesem Balanceakt – Konkurrenz im Billiggeschäft mit dem Qualitätsanspruch einer traditionellen Airline – aber auch eine Gefahr: «Lufthansa und Swiss riskieren, sich in den vielen Projekten zu verzetteln.»

Dazu kommt, dass auch Swiss Diskussionen ins Haus stehen, die Lufthansa bereits in vollem Ausmass spürt: Dort legen am Mittwoch und Donnerstag die Piloten der Lufthansa Cargo erneut ihre Arbeit nieder. Swiss befindet sich dagegen im Tarifkonflikt mit der Pilotenvereinigung Aeropers, der sie den Gesamtarbeitsvertrag (GAV) per November 2016 gekündigt hat. Beide Parteien sagen, sie seien optimistisch, dass es vor Ablauf der Frist zu einer Einigung komme. Auch wenn, wie Swiss-CEO Harry Hohmeister am Montag sagte, die Verhandlungen derzeit «harzig» seien (siehe Video).

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