Die Fluggesellschaften leiden unter einem brutalen Preiskampf und hohen Treibstoffkosten - auch die Swiss. Rund 70 Millionen Franken an Mehrkosten hat die Ölpreisentwicklung die Schweizer Airline in diesem Jahr bislang gekostet, berichtet die «Sonntagszeitung» unter Berufung auf ein internes Schreiben von Finanzchef Marcel Klaus, das dem Blatt vorliegt.

Im ersten Halbjahr 2012 war der Gewinn der Swiss um die Hälfte auf 61 Millionen Franken zusammengeschrumpft. Klaus schwört die Mitarbeiter laut dem Bericht nun auf mögliche weitere Sparrunden ein. Es liege auf der Hand, dass die Geschäftsleitung bei einer negativen Entwicklung der Treibstoffpreise zusätzliche Massnahmen definieren müsse, heisse es im Schreiben an die Mitarbeiter.

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Der Zeitung zufolge ist die Swiss bereits kräftig am Zusammenstreichen: Erste Sparmassnahmen, teils von Mitarbeitern vorgeschlagen, seien bereits eingeführt worden oder würden derzeit geprüft.

So will die Swiss laut dem Bericht für Sitze an Notausgängen mit grösserer Beinfreiheit demnach künftig eine Gebühr erheben. Die Anzahl der Self-Check-in-Automaten an den Flughäfen soll reduziert und Kunden zum Check-in im Internet animiert werden. Beim Verlassen der Passagiere von Airbus-A320-Maschinen soll auf eine zweite Treppe verzichtet werden.

«Der Flughafen Zürich muss endlich seine Einstellung ändern»

Auch Carolyn McCall, Chefin der englischen Billigairline Easyjet, beurteilt die aktuelle Wirtschaftslage kritisch: «Meiner Meinung nach wird sich Europa nicht rasch erholen. Wir müssen also vorsichtiger werden», sagte sie im Interview mit der Zeitung «Der Sonntag». «Wir möchten noch immer wachsen, aber nicht mehr zweistellig. Ich rechne mit 4 bis 5 Prozent im nächsten Jahr.»

Zudem sieht es sehr danach aus, dass Easyjet schon bald die sitzgenaue Reservation einführt. «Der definitive Entscheid fällt in den nächsten Wochen. Aber der Test verlief bisher sehr gut.» Man habe sich eingestehen müssen, dass der Boarding-Prozess momentan das schwächste Element in der Kette sei. «Viele Kunden empfinden es als stressig, weil man um seinen Sitz kämpfen muss», so McCall.

Kritik übt die Easyjet-Chefin den Zürcher Airport. «Der Flughafen Zürich muss endlich seine Einstellung ändern, vorher können wir nicht investieren», sagte die Britin. «Zürich ist viel zu teuer. Wir möchten nicht für Dinge bezahlen, die wir nicht benutzen.»

McCall nannte unter anderem die Gepäckbänder, da nur ein kleiner Teil ihrer Passagiere Gepäck aufgeben würden. Ausserdem wolle sie keine Unmengen für Check-in-Schalter bezahlen, die es sowieso bald nicht mehr brauchen würde. «Wir schätzen einen gut funktionierenden Flughafen, aber wir brauchen kein Museum.»

Heute fliegt Easyjet Zürich von London Gatwick und London Luton an, hat aber keine eigenen Maschinen in Zürich stationiert. In Basel und Genf ist Easyjet hingegen die klare Nummer eins mit einem Marktanteil von 38 Prozent (Genf) und 48 Prozent (Basel). In Zürich dominiert die Swiss mit 56 Prozent.

(tno)