LUFTVERKEHR . Helvetic Airways, die Fluggesellschaft von Financier Martin Ebner, ist drauf und dran, zum ersten Mal in der vierjährigen Firmengeschichte Geld zu verdienen. Auf 5 Mio Fr. bezifferte CEO Bruno Dobler im Frühling den zu erwartenden Cashflow für das laufende Geschäftsjahr, das im März 2008 abgeschlossen wird. «Wir dürften diesen Wert sogar eher übertreffen», sagt Dobler heute und rechnet bis zum Stichtag mit über 500000 Passagieren.

Ein wesentlicher Grund für die neue Zuversicht bei Helvetic ist die zuletzt stetig erweiterte Partnerschaft mit Swiss. Die nationale Airline hat per Anfang November bereits die dritte von vier Maschinen des Typs Fokker 100 von Helvetic Airways mitsamt Crew im Mietverhältnis übernommen und fliegt damit eigene Kunden nach Manchester, Budapest, Warschau und Brüssel. Die Übernahme von 75% der Sitzkapazitäten durch Swiss mit diesem sogenannten Wet-Lease-Abkommen ist für Helvetic ein Segen. Denn das eigene Fluggastaufkommen würde im Winterhalbjahr nicht genügen, um nur schon zwei der vier Flugzeuge mit je 100 Sitzplätzen zufriedenstellend auszulasten. Die Swiss entlastet also das unternehmerische Risiko von Helvetic und bezahlt Ebners Gesellschaft dafür Mietgebühren.

Schuldenabbau verzögert sich

Dank diesem immer bedeutenderen Wet-Lease-Geschäft kann Helvetic auf schwarze Zahlen hoffen. Diese sind nötig, denn die Gesellschaft drückt noch immer eine Schuldenlast gegenüber dem Eigentümer Martin Ebner, der über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex insgesamt 50 Mio Fr. in Helvetic investiert hat. Dobler hatte im vergangenen Mai angekündigt, dass Helvetic im Herbst 2007 schuldenfrei dastehen soll. Dieses Ziel wurde nicht erreicht. «Es kann Verzögerungen geben», sagt der CEO und will sich auf keinen Termin festlegen.Für einen weiteren Schuldenabbau stehen die Zeichen jedoch gut. Swiss hat jüngst nämlich entschieden, mit Helvetic im Wet-Lease-Geschäft praktisch eine Exklusivpartnerschaft einzugehen. Per Ende des aktuellen Winterflugplans werden die entsprechenden Kooperationen mit der deutschen Cirrus und der britischen Flightline eingestellt, wie Sprecher Jean-Claude Donzel bestätigt. Neben Helvetic soll nur noch eine zweite, wesentlich kleinere Wet-Lease-Partnerschaft betrieben werden. Dass es Swiss mit Helvetic ernst meint, belegt auch die Tatsache, dass die Miete der drei Helvetic-Maschinen bereits auf den Sommerflugplan 2008 ausgedehnt wurde.

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Fünftes Flugzeug im Frühling

Um sich dem neuen starken Partner auch optisch anzunähern, spritzt Helvetic zurzeit die zweite Fokker vom grellen Magenta in die Farben Rot-Weiss um. Laut Dobler sollen in einem Jahr auch die übrigen Helvetic-Flieger auf ein Swiss-ähnliches Outfit umgestylt werden. Bis dann dürfte die Flotte auch gewachsen sein. Die neue Ausgangslage mit der Swiss-Partnerschaft ermöglicht Helvetic eine Expansion. Martin Ebner, dessen Patinex Inhaberin der Helvetic-Flugzeuge ist, möchte im Frühling ein fünftes Flugzeug integrieren. Während drei Maschinen für Swiss unterwegs seien, brauche Helvetic Airways deren zwei Flugzeuge, um den eigenen Linienbetrieb in der Sommer-Hochsaison aufrechtzuerhalten, begründet Helvetic-CEO Dobler.Helvetic konzentriert sich dabei auf kleinere Nischen-Destinationen vor allem in Italien und Spanien. Neben Ferienflügen ist auch der Transport von Gastarbeitern ein wichtiges Segment für die Airline. Der Kauf einer weiteren Fokker 100 wird Helvetic gemäss Kennern zwischen 5 und 10 Mio Fr. kosten.Für diese weitere Investition ist Ebner, der an seine Fluggesellschaft glaubt, offenbar bereit. Er habe nicht vor, bei Helvetic Airways auszusteigen, sagte er unlängst der Fachzeitschrift «Travel Inside». Und: Sein Investment sei kein Hobby.

Neben Helvetic ist auch die von Ex-Crossair-Chef Moritz Suter 2004 gegründete Basler Chartergesellschaft Hello unterwegs zu einem soliden Jahresergebnis. Mit dem von Beginn weg klaren Geschäftsmodell, das die Ausmietung (Wet Lease) der Flugzeuge als Kerngeschäft hat, setzte sich Hello im laufenden Geschäftsjahr nach 93,5 Mio Fr. (2006) ein Umsatzziel von 98 Mio Fr. «Wir werden diese Marke übertreffen», kündigt Hello-CEO Robert Somers an. Er dürfte die 100-Mio-Marke deutlich knacken. Das Erfolgsgeheimnis ist die Umsetzung der wenig spektakulären, dafür lukrativen Strategie. Im Winterflugplan sind von den sechs Hello-Flugzeugen des Typs MD90 deren zwei im Wet Lease für Iceland Express und je eine für Bangkok Airways und Air Malta unterwegs. Die zwei übrigen Flugzeuge setzt Hello für Charter-Rotationen ab Zürich und Basel, aber auch für kurzfristige Flüge im Dienste anderer Gesellschaften ein. Robert Somers bestätigt, dass Hello in diesem Jahr 70% des erzielten Umsatzes, also über 70 Mio Fr., mittels Wet-Lease-Vereinbarungen erwirtschaftet.

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