Sie stehen für Status und Privilegien: Die Frequent-Traveller-, die Senator- und die Hon-Circle-Karte. Wer eine davon hat, kann sich in den entsprechenden Lounges entspannen, erhält beim Fliegen mehr Meilen und wird beim Check-in bevorzugt behandelt. Für tausende von Swiss-Kunden ist damit Schluss. Sie erhalten Anfang Februar einen Brief. Inhalt: Die gesammelten Flugmeilen reichten nicht aus, um sich ein weiteres Jahr für den Frequent-Traveler- oder den Senator-Status zu qualifizieren. Allein bei den Mitgliedern des ehemaligen Swiss TravelClub verliert fast jeder vierte seine Senator-Karte.

Damit macht Swiss mit ihrem Vielflieger-Programm Miles & More Ernst, das sie von Lufthansa übernommen hat. Zwei Jahre hatten Swiss-Vielflieger Zeit, ihren Status im neuen Programm zu erlangen. Im Klartext hiess dies für viele: Mehr fliegen und mehr Meilen sammeln. Denn seit der Einführung von Miles & More ist es mit der Grosszügigkeit aus Swissair-Zeiten vorbei. Wer Meilen-Mindestgrenzen nicht erreicht, fliegt aus seiner Klasse. Dabei ist es egal, ob jemand seit 20 oder erst seit zwei Jahren mit der Swiss unterwegs ist. «Ein gerechtes System ohne Ausnahmen, bei dem die Spielregeln glasklar sind», heisst es bei der Schweizer Airline.

Hunderte von Reklamationen

«Glasklar ist bei der Swiss nur eines: Es wird alles gemacht, um die ehemaligen Swissair-Kunden loszuwerden», heisst es bei der Interessengemeinschaft «Miles & Less» in Zürich. Gründer ist Werner Suter, Inhaber einer Kommunikationsagentur und selbst Vielflieger. Der «Rauswurf» von Vielfliegern aus dem Swiss-Programm habe System. Die Zahl der Reklamationen von erbosten Passagieren sei in den letzten Monaten stark gestiegen. Insgesamt waren es mehrere hundert. «Mit dem drohenden Statusverlust für tausende von Vielfliegern wird der Protest sicher nochmals deutlich zunehmen», prophezeit Suter. Insider haben sich ihm gegenüber geäussert, dass Swiss aus Kostengründen 10000 Personen aus dem Miles & More-Programm werfen wolle.

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Für Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel ist dieser Vorwurf «an den Haaren herbeigezogen». Die Fluggesellschaft investiere in ihre Statuskunden und habe alles Interesse daran, dass sich möglichst viele Passagiere für einen Status qualifizieren.

Darüber hinaus würden die Regeln von den meisten Vielfliegern akzeptiert. Das beweise die Zunahme der Miles & More-Kunden zwischen April 2006 und Dezember 2007: Um satte 20% schnellte die Zahl der Mitglieder mit Schweizer Wohnsitz in die Höhe. Hauptsächlich ist dieses Plus jedoch auf die Migration von Swiss TravelClub zu Miles & More zurückzuführen. Für 2008 rechnet Swiss mit einem Wachstum «im hohen einstelligen Prozentbereich» – trotz der Statusverluste.

Kritiker fordert echte Privilegien

Dieser Zunahme trägt die Swiss unter anderem mit neuen Lounges in Genf, Zürich und New York Rechnung. Kritiker kann sie damit jedoch nicht beruhigen. «Neue Lounges machen noch keinen besseren Service», sagt Suter. So sei die Unzufriedenheit bei den Vielfliegern besonders hoch, was sich auch durch neue Fauteuils nicht ändern werde. Er fordert, dass die Swiss ihren Stammkunden wieder das biete, was auch angebracht sei: Status und echte Privilegien.