Die Swiss kündigt den Gesamtarbeitsvertrag mit dem Pilotenverband Aeropers per Ende November 2016. Dies sei wegen unüberbrückbarer Differenzen und der wiederholt von Aeropers angekündigten gerichtlichen Schritten unausweichlich, teilte die Fluggesellschaft am Montag mit. Bis zu diesem Zeitpunkt laufe der bestehende Vertrag unverändert weiter, so unter anderem auch die Friedenspflicht. Für weitere, zielführende Gespräche sei man jederzeit offen.

Dieses Frühjahr attackierten die Airbus-Piloten der Swiss die Führung der Fluggesellschaft. Die künftigen Swiss-Langstreckenjets Boeing 777 sollen von Piloten geflogen werden, die mit tieferen Löhnen bei der Tochter Swiss European Airlines angestellt sind. Die Swiss-Führung wolle die Arbeitsbedingungen der Airbus-Piloten unterwandern, hiess es in einer Mitteilung. Aeropers ist der Meinung, dass die Boeing 777 von den Piloten ihrer Vereinigung geflogen werden müssten. «Die Boeing 777 ausserhalb unseres GAV zu betreiben, stellt nicht nur einen Angriff auf das Airbus-Pilotenkorps dar, sondern auch eine klare und definitive Abkehr von der Sozialpartnerschaft durch das Management der Swiss», liess sich Aeropers-Geschäftsführer Henning Hoffmann zitieren.

Angriff auf Airbus-Pilotenkorps

Der Pilotenverband Aeropers zeigt sich überrascht und empört von der Kündigung des Gesamtarbeitsvertrages durch die Swiss. Dies sei ein weiteres Zeichen der Ignoranz des Swiss-Managements gegenüber der Sozialpartnerschaft, erklärte Sprecher Tobias Mattle.

Aufgrund der noch langen Laufzeit habe gar kein Grund zur Eile bestanden, ergänzte Aeropers-Sprecher Peter Schmid. Die Auffassung von unüberbrückbaren Differenzen teile er nicht: Der Verband habe seinerseits sozialpartnerschaftlich verhandelt.

Swiss wählt den Weg des Konflikts

So habe das jüngste Angebot eine Bereitschaft zur langfristigen Einsparung von sechs Prozent des Gesamtaufwandes enthalten: «Das ist mehr, als das Management bei den eigenen Salären zu kürzen bereit ist.» Mit der GAV-Kündigung habe die Swiss aber lieber den Weg des Konflikts gewählt.

Schmids Aeropers-Kollege Mattle kritisierte weiter, dass das Swiss-Management mit der überraschenden GAV-Kündigung den Respekt vor Schweizer Werten vermissen lasse. Dieser Umgang mit den Mitarbeitern zeige einmal mehr, weshalb die Angestellten kein Vertrauen mehr in die Geschäftsleitung setzten.

(awp/sda/ise/ama)

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