Der Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber machte bei der Übernahme der österreichischen Fluggesellschaft AUA keinen Hehl daraus, dass das bis dato staatseigene, schwer defizitäre Unternehmen schnellstmöglich schwarze Zahlen erwirtschaften muss. Schliesslich erwartet er durch die Integration der AUA Synergien auf der Ertrags- und Kostenseite von jährlich 80 Mio Euro. Für einen symbolischen Kaufpreis von 366000 Euro erwarb die Swiss-Mutter den 42,75% Staatsanteil der Beteiligungsholding ÖIAG. Der Staat gibt zudem der AUA 500 Mio Euro zur Schuldentilgung, die Lufthansa übernimmt 600 Mio Euro Schulden - und das künftige finanzielle Risiko. Lufthansa wird für die angestrebte Übernahme von bis zu 100% der AUA-Aktien schätzungsweise 366 Mio Euro zahlen.

War die nunmehr erfolgreich operierende Swiss damals also ein billiges Schnäppchen für Mayrhuber? Lufthansa zahlte insgesamt 339 Mio Fr. für die Schweizer Airline. «Wir hatten uns sehr geplagt mit der Swiss und sind zweimal vom Verhandlungstisch gegangen», erinnert sich Wolfgang Mayrhuber im Gespräch mit der «Handelszeitung». Aus heutiger Sicht gesehen sei Swiss ein Schnäppchen gewesen. «Dass Swiss derart Auftrieb bekommt, wussten wir vorher nicht», sagt Mayrhuber. Die Swiss habe die Synergien der Lufthansa voll genutzt.

Mayrhuber geht davon aus, das auch die AUA diese Möglichkeiten nutzt. «Ob es ein grosser Erfolg wird wie die Swiss, weiss ich nicht», ergänzt Mayrhuber. AUA-Chef Alfred Ötsch zeigt sich jedenfalls erleichtert über den Deal. «Es war ein Wettlauf mit der Zeit. Denn hätte sich die Entscheidung verzögert, dann weiss ich nicht, wie es für die AUA ausgegangen wäre.»Welche Folgen hat Mayrhubers Einkaufstour unter Europas Fluglinien für die Swiss? Neben der AUA schloss der Lufthansa-Chef eine Beteiligung an der belgischen Brussels Airlines ab. Hinzu kommt die Gründung von Lufthansa Italia in Mailand Malpensa.

Anzeige

«Zürich und Brüssel sind in Richtung Afrika unsere wichtigsten Drehscheiben», erklärt Mayrhuber. Denn in Afrika sei der Airline-Verbund gegenüber British Airways und Air France im Nachteil. «Dass die AUA schon aufgrund des historischen Wachstums Richtung Osteuropa eine Rolle spielt, das soll so bleiben», hält Mayrhuber fest.

Tatsächlich dürfte die Swiss mit ihren neuen Geschwistern AUA und Brussels Airlines weiter profitieren - obwohl mit der AUA im Rahmen der Star Alliance schon kooperiert wird und Brussels Airlines ebenfalls in den Verbund kommt.

Eigene Wunschliste

Ignazio Strano, verantwortlich für internationale Beziehungen und Allianzen der Swiss, erläuterte gegenüber der «Handelszeitung» am Rande eines Star-Alliance-Meetings in Chicago vergangene Woche mögliche Pläne. Swiss werde vermehrt über Wien Kooperationen nach Osteuropa anbieten. «Ebenso halte ich es für wahrschein- lich, dass die AUA stärker ihre Kooperationsflüge auf unse- ren Langstrecken über Zürich führt.»

Ausserdem soll es Flugplanoptimierungen ab den österreichischen Bundesländern in die Schweiz geben. Operationelle Besonderheiten, wie dass die Flugzeuge in ihrem jeweiligen Heimatland übernachten und somit Kosten für die Crew-Beherbergung gespart werden, stehen ebenso auf der Agenda wie ein mögliches Joint Venture von AUA/Swiss im Nachbarschaftsverkehr, analog zu jenem zwischen Deutschland und Österreich. Bei Letzterem teilen sich die Fluglinien jeweils Kosten und Gewinn.

Strano kennt die Beschwerden wichtiger Schweizer Wirtschaftsunternehmen, welche mehr direkte Flüge ab Zürich, etwa nach Fernost, fordern. «Heutzutage, in schwierigen Zeiten für die Luftfahrt, verweist man generell Passagiere auf unser Allianzsystem. Dennoch haben wir Ziele auf der Wunschliste», so Strano.

Sobald es das globale Wirtschaftsumfeld wieder zulässt, will Swiss die Aufnahme von Peking, San Francisco und Abu Dhabi ins Streckennetz prüfen.

Null Prozent Wachstum

Dass für Swiss innerhalb des Lufthansa-Konzerns der interne Wettbewerb weiter angeheizt wird, ist allen Beteiligten klar. Ungeachtet dessen wird mit einem Rückgang im Passagieraufkommen gerechnet. «Abhängig von der Länge der gegenwärtigen Kreditklemme hat Lufthansa für 2009 0% Wachstum prognostiziert», erläutert Mayrhuber.

Lufthansa dürfte aber nicht nur dank flexibler Arbeitsverträge der Mitarbeiter erfolgreich Gegensteuer geben können. Die Tatsache, dass die Flotte nach zwölf Jahren abgeschrieben wird, erlaubt es, im Ernstfall bis zu 80 Verkehrsflugzeuge am Boden stehen zu lassen, ohne Kosten - etwa für Leasingraten - bewältigen zu müssen . «Denn wir dürfen nicht mehr produzieren, als wir letztendlich auch verkaufen können», analysiert Mayrhuber.

 

 


Das Interesse von Lufthansa an der spanischen Iberia ist abgeflaut

Die Übernahme der Austrian Airlines (AUA) lässt Lufthansa zur grössten Fluglinie Europas werden. Und Wolfgang Mayrhuber hat Lust auf weitere Expansionsschritte. Seine gegenwärtige Einkaufstour «sei keine Überraschung» angesichts der notwendigen Konsolidierung in Europa, lässt Mayrhuber im Gespräch mit der «Handelszeitung» in Chicago vergangene Woche verlauten.

Brussels Airlines sei eine ebenso logische Ergänzung wie die AUA. «Was wir machen, ist eine Art Star Alliance in Europa zu kreieren. Denn von der Managerperformance der Lufthansa her können wir noch mehr machen», erklärt der Lufthansa-Chef. Das Konzept der deutschen Fluggesellschaft sei es, Airline-Module zusammenzustellen. «Es ist eine europäische Antwort der Lufthansa auf die Konsolidierung», erklärt Mayrhuber. Seien es die Lufthansa-Anteile an der British Midland, wo es um eine starke Präsenz in London Heathrow geht, aber auch die Entwicklung bei Alitalia und der Gründung ihrer Nachfolgegesellschaft - Lufthansa lässt nichts aus den Augen. Man würde sich in Italien auch nicht von einer Air France verscheuchen lassen, gibt Mayrhuber zu verstehen. Das Interesse an der spanischen Iberia ist dagegen abgeflaut. «Obwohl wir uns gut vorstellen hätten können, Verkehr über Spanien nach Südamerika zu bündeln», betont Mayrhuber.

Die AUA-Übernahme hat übrigens noch ein kleines Nachspiel: Der unterlegene Mitbewerber Air France-KLM hat kürzlich Klage bei der EU-Kommission wegen Staatshilfen eingereicht. Wolfgang Mayrhuber nahm diese Nachricht gelassen entgegen.(kh)