Bisher mussten die rund 260 Angestellten der Petroplus-Raffinerie in Cressier NE und die 218 Mitarbeiter von Petroplus in Zug auf ihren ersten Lohn im Jahr 2012 warten. Die Saläre könnten erst bezahlt werden, wenn der Antrag auf Nachlassstundung gutgeheissen werde, erklärte Pascal Guillet von der Neuenburger Arbeitslosenkasse auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Das ist nun erfüllt: Das zuständige Gericht bewilligte am Freitag die Nachlassstundung für das Schweizer Unternehmen. Was längerfristig mit den Arbeitsplätzen geschieht, blieb aber unklar.

Mit der Bewilligung der Nachlassstundung ernannte das Gericht auch die beiden provisorischen Sachwalter, wie Petroplus mitteilte: Die Rechtsanwälte Brigitte Umbach-Spahn und Karl Wüthrich von der Wirtschaftskanzlei Wenger Plattner beaufsichtigen ab sofort die Petroplus-Geschäftstätigkeiten im Interesse sämtlicher Gläubiger.

Die beiden Sachwalter sollen die Vermögens-, Ertrags- und Einkommenslage der Firma analysieren und beurteilen, ob eine Aussicht auf Sanierung von Petroplus besteht. Bis am 20. März müssen sie dem zuständigen Richter einen Bericht abliefern. Wüthrich wurde der Öffentlichkeit als Liquidator der Swissair bekannt.

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Weitere Verfahren

Petroplus leitete am Freitag weitere Insolvenzverfahren für Tochterfirmen ein: Die Schweizer Petroplus Tankstorage AG und die Petroplus Refining Cressier S.A beantragten ebenfalls Nachlassstundung. Die Petroplus Refining Cressier S.A ist die Besitzerin der Raffinerie im neuenburgischen Cressier.

Für die belgische Ländergesellschaft beantragte Petroplus ebenfalls die gleiche Prozedur entsprechend dem belgischen Recht. Für die Ländergesellschaften in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien waren die Anträge bereits an den Vortagen in die Wege geleitet worden.

Rechtliches Ungemach droht Petroplus nun aus Frankreich: Die französische Regierung bezweifelt, dass bei der Insolvenz von Petroplus alles mit rechten Dingen zugegangen ist. «Das Justizsystem muss ausleuchten, was genau passiert ist», sagte der französische Energieminister Eric Besson dem Radiosender France Inter.

Die Umstände des Konkurses und insbesondere die Überweisungen, die am Tag davor und noch einen Tag früher stattgefunden haben, seien verdächtig.

Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft im französischen Nanterre eine Untersuchung eingeleitet. Die Behörde will herausfinden, ob Petroplus vor der Einreichung des Insolvenzantrages illegal Geld von der französischen Tochter abgezogen hat. Petroplus weist Vorwürfe eines betrügerischen Konkurses allerdings zurück.

Klesch interessiert

Am Freitag erreichten Petroplus aber auch positivere Nachrichten aus Frankreich: Die Schweizer Rohstoffgruppe des US-Investors Gary Klesch bekundete am Werk im französischen Petit Couronne Interesse. «Wir schauen uns Petit-Couronne an, wo es eine Reihe von Problemen gibt. Wir werden sehen, was sich ergibt», sagte Klesch der Nachrichtenagentur Reuters.

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Nach der Ankündigung schossen die Petroplus-Aktien um gut 50 Prozent in die Höhe. Die in Genf und London ansässige Klesch-Gruppe hatte vor rund zwei Jahren bereits eine Raffinerie vom britisch-niederländischen Ölkonzern Shell im holsteinischen Heide übernommen.

«Diese Gesellschaft kauft Firmen auf, wo immer sie kann, und wenn möglich, indem sie vorab Staatshilfen beantragt», sagte ein Gewerkschafts-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Die Petroplus-Aktie kostet am Freitag kurz vor Handelsschluss 0,24 Franken (+50 Prozent). Vor Wochenfrist hatte das Papier einen Wert von 1,47 Franken.

(tno/awp)