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Swisscom: Angestellte bei italienischer Tochter streiken

Fastweb: Den geplanten Stellenabbau wollen die Angestellten nicht akzeptieren. (Bild: Keystone)

Die geplanten Sparmassnahmen von Swisscom kommen bei den Angestellten der italienischen Tochter Fastweb nicht gut an. Die Angestellten sind daher in Streik getreten.

Veröffentlicht am 16.03.2012

Bei der italienischen Swisscom-Tochter Fastweb sind Beschäftigte in einen ganztägigen Streik getreten. Dazu aufgerufen hatten die drei Gewerkschaften Uilcom Uil, Slc Cgil und Fistel Cisl, nachdem Swisscom-Chef Carsten Schloter in einem Interview verkündet habe, es bestünden Pläne für einen Stellenabbau.

Uilcom-Generalsekretär Angelo Ughetta hatte Kampfmassnahmen angekündigt, damit Klarheit über die Zukunft der über 3000 Angestellten geschaffen werde. «Wir werden keine Erpressung akzeptieren», drohte er laut italienischen Medien.

Wie viele Fastweb-Angestellte streikten, konnte Swisscom-Sprecher Carsten Roetz auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda nicht sagen. Bei Fastweb war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Entlassungen befürchtet

Die Swisscom hatte angekündigt, bei ihrer kriselnden Breitbandtochter bis nächstes Jahr 120 Millionen Euro einsparen zu wollen. Gewisse Bereiche sollen zusammengelegt und einer Reihe von Mitarbeitern der freiwillige Ausstieg angeboten werden. Dies betreffe rund 150 Personen, sagte Roetz.

Zudem befürchten die Fastweb-Angestellten Auslagerungen von Bereichen an Drittanbieter. Laut italienischen Lokalmedien könnten diese zu Entlassungen von 250 Beschäftigten in Mailand, Bologna, Rom, Bari und Catania führen.

Milliarden-Abschreiber

Wegen der düsteren Lage in Italien musste das Mailänder Unternehmen einen Milliardenabschreiber vornehmen. Insgesamt riss dieser den Gewinn der Swisscom im vergangenen Jahr um 1,2 Milliarden Franken in die Tiefe. Der Reingewinn des «Blauen Riesen» brach um über 60 Prozent auf 694 Millionen ein.

Zu schaffen macht Fastweb laut Swisscom-Chef Schloter die hohe Staatsverschuldung in Italien, das schwache Wirtschaftswachstum, die steigende Arbeitslosigkeit und die politische Unsicherheit.

Zudem leidet Fastweb auch unter hausgemachten Problemen. Das Privatkundengeschäft der Mailänder hapert, weil der Breitbandmarkt immer mehr gesättigt und der Preiskampf wegen neuer Konkurrenten hart ist. Ausserdem schlägt sich Fastweb mit vielen Kunden herum, die ihre Rechnungen nicht bezahlen.

Der Umsatz schrumpfte im vergangenen Jahr um 7,1 Prozent auf 1,746 Milliarden Euro. Die Zahl der Kunden fiel wegen eines Rechtsstreits mit einem Konkurrenten um 8 Prozent auf 1,6 Millionen.

Konkurrenten überholen

Seit der Übernahme durch die Swisscom im Jahr 2007 kam Fastweb nicht vom Fleck. Die Mailänder mussten im Breitbandgeschäft Konkurrent Wind vorbeiziehen lassen und belegen mit einem Marktanteil von 12 Prozent lediglich noch den dritten Platz hinter Platzhirsch Telecom Italia (53 Prozent). Wind dürfte mittlerweile 16 Prozent Marktanteil erobert haben, schätzt die Swisscom.

Zudem hat Fastweb kein eigenes Handynetz, weshalb sie Mobilfunkangebote nur als Wiederverkäuferin absetzen kann. Die Vollanbieter Telecom Italia, Vodafone und Wind dominieren den Markt. Sie haben dank ihrer Grössenvorteile mehr Werbepräsenz und ein viel grösseres Ladennetz

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