Seit April dieses Jahres amtet Carsten Schloter neben seinem Job als Swisscom-Chef auch noch als CEO der italienischen Tochtergesellschaft Fastweb. Er tut dies nicht ganz freiwillig, sondern als Folge der laufenden Untersuchung der italienischen Behörden. Fastweb ist zusammen mit der Telecom-Italia-Tochter Sparkle wegen einer Betrugsaffäre im Visier der Justiz. Um die Bestellung eines geschäftsführenden Kommissars bei Fastweb zu verhindern, übernahm Schloter das Ruder in Mailand.

An der Präsentation der 1.-Halbjahreszahlen sagte er noch, er erwarte eine Klärung in dieser Sache «im Verlauf des 3. Quartals». Dieses ist nun um, doch eine Klärung nicht in Sicht. Für den Swisscom-Chef bedeutet das: Er muss länger als geplant in Italien bleiben. Wie lange noch, ist unklar. Swisscom-Sprecher Carsten Roetz erklärt: «Wir gehen davon aus, dass wir noch im Verlauf dieses Herbsts mehr wissen, und hoffen, das frühere Management wieder einsetzen zu können.»

Insider berichten dagegen, die Italiener würden Swisscom völlig im Dunkeln über ihren weiteren Fahrplan lassen. Klar ist, dass der Druck auf Schloters Doppelrolle grösser wird, je länger er in Italien festsitzt.

Nur noch 18 statt 34 Euro wert

Druck gibt es auch von der Aktienfront. Konkret geht es um den Wert von Fastweb. Swisscom zahlte beim Kauf 2007 pro Aktie 47 Euro. Nun wollen sich die Schweizer auch noch die restlichen 9% der italienischen Tochter einverleiben. Doch den Minderheitsaktionären bietet Swisscom nur noch 18 Euro, also deutlich weniger als vor drei Jahren. Die Firma argumentiert, aufgrund von Dividendenzahlungen, Amortisationen und Rückstellungen könne man die nun gebotenen 18 Euro nicht mehr mit den damals bezahlten 47 Euro vergleichen. Tatsächlich beträgt der Wert von Fastweb in den Büchern von Swisscom noch 34 Euro. Sprecher Roetz betont: «Grund für den tieferen Kurs der Fastweb-Aktie ist ihre geringe Attraktivität für Anleger, vor allem aufgrund der mangelnden Dividendenaussicht.»

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Ob die Swisscom auf ihr Italien-Engagement bald deutliche Abschreiber tätigen muss, wie allgemein erwartet wird, lässt Roetz offen: «Wir lassen die Werthaltigkeit von Fastweb regelmässig prüfen. Bislang hat es keine Anzeichen für einen Goodwill-Abschreiber gegeben. Zudem entwickelt sich Fastweb soweit nach Plan.»