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Pikant
Swisscom ergreift die Macht bei Cinetrade

Carsten Schloter: Swisscom hält nun 75 Prozent an Cinetrade. (Bild: Bloomberg)

Der Telekomriese übernimmt die Mehrheit bei Cinetrade, die Tausende Rechte an Kinofilmen und auch Sportrechte besitzt. Gegen beide Firmen laufen Untersuchungen der Wettbewerbsbehörde Weko.

Veröffentlicht am 02.05.2013

Die Swisscom hat die Mehrheit an der Kino- und Bezahlfernseh-Gruppe Cinetrade übernommen. Nach acht Jahren habe man den Anteil von 49 auf 75 Prozent erhöht, teilte der grösste Telekomanbieter der Schweiz mit. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben.

Die Cinetrade werde nicht in die Swisscom integriert, sondern als strategische Beteiligung vom bisherigen Management weitergeführt. Stephan Sager bleibe mit einem Anteil von 25 Prozent Aktionär und Geschäftsführer der Gesellschaft, teilte der «blaue Riese» in einem Communiqué mit.

Die Übernahme ist pikant. Denn gegen die Swisscom und Cinetrade läuft ein Verfahren der Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko), die Anzeichen für Kartellrechtsverstösse gegen die Kabelnetzkonkurrenten bei der Übertragung von Live-Fussball- und -Eishockeyspielen im Bezahl-TV vermutet.

Schweizer Fussballmeisterschaft

Man habe Hinweise, dass die Swisscom und die Cinetrade mit ihrer Tochter Teleclub bei der Übertragung von Live-Sport im Bezahlfernsehen marktbeherrschend seien und diese Stellung missbrauchten, hatte die Weko vor einem Monat mitgeteilt.

Cinetrade hatte im vergangenen Jahr unter anderem die Übertragungs- und Vermarktungsrechte für die obersten beiden Ligen der Schweizer Fussballmeisterschaft gekauft. Auch die Rechte für die Spiele der Eishockeymeisterschaft liegen bei ihr.

Das Nachsehen hatten die Kabelnetzbetreiber, deren Verband Swisscable gemeinsam mit der SRG ebenfalls um die Rechte geboten hatte.

Grosses Angebot

Neben den Sportrechten besitzt die Cinetrade-Gruppe auch die Rechte für Tausende Kinofilme. Mit jährlich mehr als 4000 Live-Sportanlässen und über 7800 Filmen auf Abruf offeriert die Swisscom gemäss eigenen Angaben eines der umfangreichsten Pay-TV-Angebote in Europa.

Damit hat der «blaue Riese» einen mächtigen Trumpf im immer hitzigeren Kampf mit den Kabelnetzbetreibern und Sunrise um den Fernsehzuschauer. Für Fussball- und Eishockeyfans ist Swisscom TV die einzige Wahl, um alle 180 Fussball- und 370 Eishockeyspiele der Schweizer Meisterschaften pro Saison live zu sehen. Auch die Spiele der Deutschen Fussball-Bundesliga und der italienischen Serie A werden live übertragen.

Die Kabelnetzbetreiber und Sunrise können hingegen nur eine Auswahl an Live-Übertragungen von Schweizer Fussball- und Eishockeyspielen, von Partien der Deutschen Fussball-Bundesliga und der italienischen Serie A anbieten.

In der Untersuchung der Weko steht die Frage im Vordergrund, ob die Cinetrade der Swisscom TV-Konkurrenz bestimmte Angebote ungerechtfertigterweise verweigert. Zudem untersucht die Weko, ob Cinetrade gewisse TV-Anbieter und Endkunden diskriminiert, indem das Teleclub-Angebot auf Swisscom TV günstiger ist als bei ihrer Konkurrenz.

Swisscable: Untersuchung dringend

«Die Übernahme der Cinetrade durch die Swisscom verschärft die Dringlichkeit der Weko-Untersuchung», teilte Swisscable mit: «Es darf nicht sein, dass die marktmächtige und staatsnahe Swisscom die Sportrechte komplett monopolisieren kann.»

Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, wird die Gestaltung der Programme und Inhalte in die neue Gesellschaft Teleclub Programm AG verschoben, an der die Cinetrade nur eine Minderheitsbeteiligung von einem Drittel hält.

Die restlichen Anteile gehören je zur Hälfte Cinetrade-Aktionär Stephan Sager und der Münchner Filmrechtehandelsgesellschaft Palatin Media GmbH, wie Swisscom-Sprecher Carsten Roetz auf Anfrage sagte. Damit werde sichergestellt, dass die Swisscom auch künftig keinen Einfluss auf die Programmgestaltung und die redaktionellen Inhalte nehme.

Die Weko habe Ende 2011 bestätigt, dass weder die Übernahme der Mehrheit an Cinetrade noch die Veräusserung der Mehrheit am Programmveranstalter der Behörde gemeldet werden müssten, schreibt die Swisscom.

(chb/tno/awp)

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