Im Zwist um die Live-Übertragungsrechte von Sportanlässen mit der Swisscom fordern die Kabel-TV-Anbieter die Wettbewerbshüter zum Handeln auf. Sie wollen per Erlass der Wettbewerbskommission Weko den sofortigen Zugang zu Sportinhalten, die von der Swisscom kontrolliert werden.

Der Telekom-Marktführer Swisscom hat im vergangenen Jahr seine Stellung in der Sportdirektübertragung massiv ausgebaut und inzwischen eine Monopolstellung erreicht.

Die Kino- und Pay-TV-Gruppe Cinetrade, die damals zu 49 Prozent der Swisscom gehörte und seit Anfang Mai mehrheitlich in Swisscom-Händen ist, hatte unter anderem die Übertragungs- und Vermarktungsrechte für die obersten beiden Ligen der Schweizer Fussballmeisterschaft für mindestens 140 Millionen Franken gekauft.

Auch die Rechte für die Spiele der Eishockeymeisterschaft liegen bei ihr. Das Nachsehen hatten die Kabelnetzbetreiber, deren Verband Swisscable gemeinsam mit der SRG ebenfalls um die Rechte geboten hatte.

Langes Verfahren befürchtet

Die Weko untersucht seit April, ob die Swisscom ihre Stellung missbraucht. Die Untersuchung werde aber viel Zeit beanspruchen, schrieb Swisscable in einer Mitteilung. Wie auch die «Sonntagszeitung» berichtete, erachtet Swisscable die Angelegenheit für die Kabelnetzbranche als dringlich.

Bis die Weko die Untersuchung abgeschlossen habe, profitiere die Swisscom weiter, heisst es. Drei Mitglieder von Swisscable hätten daher bei der Weko ein Gesuch um den Erlass vorsorglicher Massnahmen eingereicht. Sie fordern den umgehenden Zugang zu Inhalten wie in den Kanälen «Teleclub Sport 4-29» und «Teleclub Live Sport».

Kritik am Bundesrat

Es dürfe nicht noch mehr Zeit verstreichen: «Für die Kabelnetze ist diese Angelegenheit sehr dringlich», liess sich Claudia Bolla-Vincenz, Geschäftsführerin von Swisscable, in Communiqué zitieren. «Im digitalen Fernsehen ist der Wettbewerb intensiv. Wer attraktive Sportinhalte anbieten kann, hat damit auch einen Vorteil», sagte sie.

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Swisscable zweifelt zudem den Willen des Bundesrats an, die Rolle der mehrheitlich vom Bund kontrollierten Swisscom im Markt kritisch anschauen zu wollen. «Die auch 2012 führende Marktstellung in sämtlichen Geschäftsfeldern ist für den Bund positiv, weil dadurch die Dividenden üppig fliessen», hiess es.

(aho/chb/awp)