Die Swisscom gibt mit ihrer Bezahllösung Tapit auf. «Trotz intensiver Bemühungen lag die Zahl aktiver Nutzer und Kreditkartenanbieter bei Tapit klar unter den Erwartungen», heisst es heute in einer Mitteilung des Unternehmens. Das Angebot werde darum zum Sommer 2016 eingestellt.

Dafür macht Swisscom jetzt mit der Konkurrenz gemeinsame Sache: Six und UBS haben mit der Zürcher Kantonalbank (ZKB) im April die Bezahl-App Paymit lanciert,  jetzt arbeitet die Swisscom mit ihnen an einer «gesamtschweizerischen Lösung».

«Sehr schade, dass wir keine Schweizer Lösung finden»

Wegen des gleichen Standards kann jede Schweizer Bank bei Paymit mitmachen. «Wir glauben an den Finanzplatz Schweiz und wollen mit der nationalen Lösung ein Gegengewicht zu internationalen Playern bilden», wird Urs Schaeppi, CEO der Swisscom, in der Mitteilung zitiert.

Vor rund einem Jahr lancierte Swisscom das Bezahlsystem Tapit zusammen mit Sunrise und Orange. Im vergangenen Dezember äusserte sich Swisscom-Chef Urs Schaeppi bereits enttäuscht über das Produkt: «Wir sehen, wie träge die Systeme in der Schweiz funktionieren», sagte Schaeppi. «Ich finde es sehr schade, dass wir keine Schweizer Lösung in diesem Bereich finden.» Das werde dazu führen, dass die Schweiz am Ende eine amerikanische Lösung habe. Zuletzt hiess es, Tapit sei in der Schweiz lediglich 10'000 Mal heruntergeladen worden.

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Mehr Banken schliessen sich Paymit an

Nun zeichnet sich ab, dass die Schweizer Anbieter doch gemeinsam an einer marktdurchdringenden Lösung anbieten – statt auf eigene Insellösungen zu setzen: Erst Mitte Juli wurde bekannt, dass sich auch die Raiffeisen sowie die Kantonalbanken von Genf, Waadt und Luzern sich der Paymit-Applikation anschliessen.

Mit Paymit können Privatpersonen sich heute gegenseitig Geld per Smartphone überweisen und anfordern. Damit kann beispielsweise der Teilbetrag für ein gemeinsames Mittagessen, das einer für alle bezahlt hat, an den Kollegen überwiesen werden. Das Geld geht direkt von Bankkonto zu Bankkonto. Die Funktionen wollen Swisscom und Six  nun ausbauen. Laut Mitteilung soll Paymit künftig nicht mehr nur für Überweisungen dienen, sondern auch zum Bezahlen in Geschäften und Webshops.

«Anwendung soll beitragen, dass weniger Bargeld gebraucht wird»

Das Vorbild der Schweizer Paymit-App ist in Dänemark zu finden: Dort lancierte die Danske Bank vor knapp zwei Jahren die Bezahl-App Mobile Pay: Heute nutzen laut Anbieter rund 1,6 Millionen von 5,6 Millionen Dänen das Angebot. Fast jeder dritte Däne hat die Anwendung inzwischen auf seinem Smartphone installiert, im Bereich digitales Zahlen hat die Bank damit eine marktbeherrschende Stellung.

Daran arbeitet die Schweizer Finanzbranche mit Paymit nun ebenfalls: «Die Anwendung soll einen viralen Effekt haben und dazu beitragen, dass im Alltag weniger Bargeld gebraucht wird», sagte Andreas Kubli, Digitalchef der UBS im Frühjahr im Interview.