Mit dem Kauf des italienischen Breitbandanbieters Fastweb wollte Swisscom-Chef Carsten Schloter die Umsatzrückgänge im Inland kompensieren. Die ersten sechs Monate des laufenden Jahres zeigen nun: Swisscom selbst ist stärker gewachsen als Fastweb. Die italienische Tochtergesellschaft steigerte den Nettoumsatz in lokaler Währung um 1,7%. Der Nettoumsatz der Swisscom ohne Fastweb erhöhte sich um 1,9%.

Grund für das schwache Abschneiden von Fastweb ist die laufende Untersuchung der italienischen Behörden. Fastweb steht zusammen mit der Telecom-Italia-Tochter Sparkle wegen einer Betrugsaffäre von Dritten im Visier der Justiz. Es geht um fiktive Geschäfte, wodurch dem Fiskus 365 Mio Euro entgangen sein sollen. Weil Fastweb nun Steuerguthaben zurückkaufen musste, die man bereits an Finanzinstitute veräussert hatte, verzeichnet das Unternehmen in den ersten sechs Monaten 2010 einen negativen Cashflow von gut 30 Mio Euro. 2009 hatte Fastweb noch einen positiven Cashflow von 39 Mio Euro erzielt, der einen Teil der Zinsen des eingesetzten Kapitals deckte. Gemäss Swisscom betragen die Zinskosten jährlich rund 100 Mio Euro.

Ambitiöses Umsatzziel

Das Schwächeln von Fastweb dürfte bald handfeste Konsequenzen haben: Abschreibungen werden spätestens per Ende 2011, wohl aber schon auf Ende 2010, zum Thema. Swisscom weist für Fastweb 2,6 Mrd Fr. Goodwill aus. Um Abschreiber zu vermeiden, auferlegte das Unternehmen seiner italienischen Tochter ein jährliches Umsatzwachstumsziel von 6,5%. Das aktuelle Plus von 1,7% liegt weit darunter.

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Swisscom-Sprecher Sepp Huber erklärt: «Berücksichtigt man eine Anpassung bei der Umsatzverbuchung und einmalige Umsätze im 2. Quartal 2009, beträgt auf vergleichbarer Basis das Wachstum beim Umsatz 5,5%. Wir halten an den Prognosen für 2010 fest, und eine Wertberichtigung ist kein Thema.»

Das angepeilte Umsatzwachstum von 6,5% für Fastweb ist in den Augen von Experten umstritten. Serge Rotzer, Analyst bei der Bank Vontobel, bezeichnet etwa das Ziel als «sehr hoch gegriffen». Er sagt: «Der Konsens erwartet für die nächsten drei Jahre ein Wachstum von durchschnittlich 3,3%.» Auch für Rotzer stellt sich die Frage nach möglichen Abschreibern, «falls sich Fastweb nächstes Jahr nicht wieder merklich erholt».

Verfahrensdauer in Italien offen

Unklar ist auch, ob Swisscom-Chef Schloter wirklich wie erwartet am Ende des 3. Quartals die Leitung von Fastweb abgeben und in die Schweiz zurückkehren kann. Damit das passiert, müssten die Betrugsvorwürfe gegen Fastweb bis dahin geklärt sein. Ein Gewährsmann aus Italien hält diesen Zeitplan für «sehr optimistisch». Aus heutiger Sicht sei «schlicht nicht abschätzbar», wie sich das Verfahren weiterentwickle.