Von der allgemeinen Katerstimmung spürt die Swisscom wenig. Nach den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres ist die Ex-Monopolistin auf Kurs - die Halbjahreszahlen präsentiert der Telekomkonzern am 12. August. Stark gewachsen ist einmal mehr die italienische Tochterfirma Fastweb. Deren Umsatz stieg um 13% auf 918,8 Mio Euro. Der Gewinn verbesserte sich von 14,9 Mio auf 17,9 Mio Euro.

Zahlreiche neue TV-Kunden

Doch auch auf dem Heimmarkt präsentiert sich Swisscom in bemerkenswerter Verfassung. Besonders erfreulich für Swisscom-Chef Carsten Schloter: Die Fernsehaktivitäten, die unter Bluewin TV vermarktet werden, laufen sehr gut. Marktleaderin Cablecom dagegen verliert Kunden. Nach dem Angriff der Cablecom auf Swisscom mit eigenen Festnetztelefon- und Internetangeboten zeigt sich nun, dass die Angegriffene deutlich erfolgreicher ist mit ihrem 2006 lancierten Gegenprodukt. Von knapp 10 000 Haushalten, die jede Woche von Analog-TV auf digitales Fernsehen umsteigen, gehen derzeit 6000 zu Swisscom. Jeder neue Kunde im TV-Geschäft beschert Swisscom im Durchschnitt pro Jahr einen Umsatz von über 300 Fr. - Einnahmen wie die Internetanschlussgebühr kommen da noch dazu.

Um den Wachstumsmarkt Bluewin TV langfristig zu sichern, hat für die Swisscom die Erneuerung ihrer Festnetzinfrastruktur hohe Priorität. Sie ersetzt die alten Kupferdrähte in die Haushalte durch neue Glasfasern. Und auch hier kann sich die Swisscom mit ihren Vorstellungen, etwa mehrere Fasern parallel zu verlegen, bisher durchsetzen.

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Fastweb mit Sunrise «einig»

Pikant: Tochterfirma Fastweb, die sich als private Anbieterin mit der Übermacht der Telecom Italia konfrontiert sieht, argumentiert in Sachen Glasfasern völlig anders als die Swisscom. Präsentationen von Fastweb könnten, auf die Schweiz gemünzt, eins zu eins von Swisscom-Konkurrentin Sunrise stammen.

So ist Fastweb beispielsweise für eine funktionale Trennung der Telecom Italia - also der Aufteilung eines Konzerns in die Bereiche Infrastruktur und Dienste - und die Entbündelung der Glasfaserhausanschlüsse. Ausserdem kämpfen Fastweb wie Sunrise dagegen, dass sich Ex-Monopolisten ihr Glasfasernetz aus, ihrer Meinung nach überhöhten, Kupferpreisen finanzieren können. Sonst, so wird argumentiert, sei «kein nachhaltiger Wettbewerb möglich». Bei Sunrise beobachtet man die Argumente der Swisscom-Tochter auf die eigenen Mühlen mit einer gewissen Genugtuung. Sprecher Hugo Wyler: «Swisscom in der Schweiz und Fastweb in Italien widersprechen sich in der Haltung. Das ist normal, denn beide Firmen verfolgen ihre Interessen in ihrem Markt.» Und weiter: «Es wäre eine Illusion zu glauben, dass die Interessen der Schweiz sich mit den Interessen der Swisscom decken.»